„Vertraute Gesten“ vereint erstmals einen größeren Ausschnitt aus der Sammlung Gunther Jaegers. Hier treffen etablierte Positionen der Moderne auf jüngere Stimmen der Gegenwartskunst. Die Ausstellung zeigt eine persönlich gewachsene Sammlung, die über Jahrzehnte gewachsenen Beziehung zur Kunst und wirft die Frage auf, was aus persönlicher Leidenschaft entsteht, wenn sie in kulturelle Verantwortung übergeht. Im Zentrum stehen die figürlichen Werke, ergänzt durch abstrakte und materialbasierte Arbeiten.
Mit Till Augustin, Fritz Bergler, Adam Bota, Bontont, Jiří „Georg“ Dokoupil, Albana Ejupi, Xenia Hausner, Hanns Herpich, Hubertus Hess, Manfred Hürlimann, Martha Jungwirth, Richard Kaplenig, Alex Katz, Ursula Kreutz, Monika Kus-Picco, Silke Mathé, Petar Mirkovic, Hannes Mlenek, Otto Muehl, Hermann Nitsch, Günter Paule, Christian Schad, Stylianos Schicho, Hubert Schmalix, Bernd Schwarzer, Rainer Stolz, Dana Zaltzman und Dirk Zeiler versammelt „Vertraute Gesten“ eine bemerkenswerte Bandbreite künstlerischer Handschriften. Die Sammlung entstand nicht kuratorisch, sondern aus Begegnungen, Freundschaften und einer über Jahre vertieften Auseinandersetzung mit einzelnen Künstlerinnen und Künstlern. Aus seinem unternehmerischen Erfolg heraus engagiert sich Dr. Gunther Jaegers zudem seit vielen Jahren als Mäzen und hat der Kollektion mit einer gemeinnützigen Stiftung, der JAEGERS art foundation, eine Perspektive über die eigene Person hinaus gegeben.
Dana Zaltzman, 2018 | © Foto: Diana Maurer Fotografie
Dana Zaltzman
Besonders interessant ist die Spannweite der Schau: Alex Katz steht mit seinen flächigen, ikonischen Porträts für einen reduzierten Realismus zwischen Figuration und Pop Art, während der Aschaffenburger Christian Schad die kühle Präzision der Neuen Sachlichkeit repräsentiert. Jiří „Georg“ Dokoupil verweigert jede stilistische Festlegung und nutzt ungewöhnliche Materialien wie Seifenlauge oder Kerzenruß zur Bildproduktion. Bei Martha Jungwirth lösen sich Motive in poetisch-abstrakten Farbgesten auf. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Gegenständlichkeit und freier Malerei und entwickeln aus diesem Spagat ihre Spannung. Radikaler wird es bei den Vertretern des Wiener Aktionismus: Otto Muehl und Hermann Nitsch erweiterten den Begriff der Malerei um Körper, Material und Performance. Einen völlig anderen Zugang verfolgt Monika Kus-Picco. Sie verarbeitet abgelaufene Medikamente zu Pigmenten und macht damit pharmazeutische Stoffe selbst zum Ausgangspunkt ihrer Malerei. Albana Ejupi entwickelt ihre Bildoberflächen aus Farbe und Sand, während Ursula Kreutz mit transparenten Stoffen, fotografischen Überlagerungen und kalkulierter Unschärfe Wahrnehmung und Erinnerung untersucht. Hannes Mlenek verbindet expressive Gestik mit Körper und Bewegung, Stylianos Schicho richtet seinen Blick auf Überwachung, Kommunikation und soziale Isolation. Till Augustin setzt dagegen auf Skulptur und eine präzise Bearbeitung teils empfindlicher Materialien, während Hubertus Hess Fundstücke und Alltagsartefakte zu Assemblagen mit neuer Bedeutung transformiert. Fritz Bergler bewegt sich in großformatigen Bildräumen zwischen Figuration und Abstraktion, Schrift und Zeichen.
Die Sammlung Jaegers lebt also gerade von ihren Brüchen und unerwarteten Nachbarschaften. Wer sehen möchte, wie unterschiedliche Generationen, Medien wie auch künstlerische Weltzugänge in Dialog treten, sollte „Vertraute Gesten“ nicht nur als Überblick, sondern unbedingt als Einladung zur eigenen Entdeckung verstehen.
