Von Niedernberg über Kleinwallstadt nach Aschaffenburg: Die Reise von Volker Gröschl, Gründer der Tischfußballfreunde als Abteilung des TuS Damm, wo die Nischensportart als jahrzehntelange und erfolgreiche Tradition gepflegt wird, startete in der Niedernberger Gastwirtschaft „Zur Mainaussicht“.
Als kleiner Junge war er Anfang der 1970er-Jahre schon vom damals noch weiter verbreiteten Kneipenkicker fasziniert. Eine frühe Liebe, die sein Leben und die Welt des professionellen Tischfußballsports in Aschaffenburg prägen sollte. 1986 gründete er im Alter von 25 in seinem Kleinwallstädter Bistro „Blauer Papagei“ einen Tischfußballverein. Dieser besteht bis heute und hat über einige Umwege in Sulzbach, Großostheim und verschiedenen Stationen in Aschaffenburg als Abteilung des TuS Damm Anfang 2024 seinen atmosphärischen Heimathafen gefunden. Im gemütlichen Clubraum inklusive urigem Kneipenflair und der angrenzenden stillgelegten Kegelbahn stehen insgesamt fünf internationale Turniertische bereit, bespielt zu werden.
© Till Benzin
TuS Damm Tischfußballfreunde
Von Bundesliga bis WM-Teilnahme
Zwischen den Jahren 1990 und 2014 spielten die Tischfußballfreunde mit diversen Sporthelden in ihren Reihen in der 1. Bundesliga, 1996 wurden sie bereits Deutscher Meister, 1997 Vizemeister. Bis 2018 war man in der 2. Bundesliga vertreten. Bei der Vereins-Europameisterschaft 1998 wurde so manches Mitglied als Teil der Nationalmannschaft zum Vizeeuropameister im Doppel und landete als gesamtes Team auf dem dritten Platz.
Ein Jahr später wurden die Tischfußballfreunde Deutscher Meister auf dem „Tornado“, einem Tisch des gleichnamigen Profiherstellers, dessen wohl größte Besonderheit es ist, dass die Torwartstange standardmäßig mit drei Figuren ausgestattet ist und der führende Turniertisch in den USA ist. Danach ging die Reise konsequenterweise zur Team-Weltmeisterschaft nach Las Vegas. Damals spielte man in vielen Regionen Deutschlands ausschließlich noch am amerikanischen Tornado. Inzwischen ist die deutsche Firma Leonhart der in Europa meistgewählte Anbieter von Turniertischen des Weltverbandes ITSF (International Table Soccer Federation).
Im Allgemeinen dauert ein offizielles Ligaspiel über zwei Gewinnsätze bis jeweils fünf Toren an. Um einen eventuellen dritten Entscheidungssatz zu den eigenen Gunsten abschließen zu können, muss man mit einem Abstand von zwei Toren „den Sack zumachen“. Diese Regelung ist bei maximal acht Toren gedeckelt. Der Anstoß wird – je nach Wettkampfform – durch Münzwurf oder Heimrecht zugewiesen.
Damm hat aktuell vier Mannschaften angemeldet. 36 Mitglieder sind Teil der Abteilung Tischfußball, die sich jeden Mittwoch und Freitag – ausgenommen natürlich an Spieltagen, die oft freitags terminiert sind – zum Training treffen. Mittwochs sind auch jederzeit gerne Interessierte willkommen, um in die Vereinsstruktur und die Sportart, die sonst kein zweites Mal in Aschaffenburg auf Vereinsebene betrieben wird, hineinzuschnuppern.
Früher gab es etliche Tischfußballvereine in der Region Aschaffenburg, vor allem in der ländlichen Umgebung – heutzutage halten die Tischfußballfreunde als ewige Platzhirschehier alleinig die Stellung. Aufgrund des kollektiven Kneipensterbens (nicht nur) in den Dörfern konzentrieren sich die begeisterten Figurenkicker vermehrt in den großen Städten. So kommen nach und nach ebenso große Fußballvereine wie beispielsweise Eintracht Frankfurt auf den Tischkickergeschmack.
© Till Benzin
TuS Damm Tischfußballfreunde
Von Jung bis Alt
Im Allgemeinen sind die Tischfußballfreunde alterstechnisch breit gefächert besetzt. Von 20 bis über hin zu 70 Jahren ist ebenso viel Erfahrungs- wie Altersreichtum vertreten. Und obwohl die Sportart nach wie vor sehr stark männerdominiert ist, sind auch eine gute Handvoll Frauen Teil der Dämmer Kicker. Nach wie vor werden im Clubraum junge Talente durch erfahrenere Player herangezüchtet. So kommt zum Beispiel Lars Arndt, ein Tischfußballer, der inzwischen für die Eintracht an den Stangen steht, noch sehr regelmäßig zum Training nach Aschaffenburg. Und das aus gutem Grund: Hier wird man als Neu- beziehungsweise Wiederankömmling direkt freundlich und herzlich ins Geschehen einbezogen.
Die kleine Community ist auch vereinsübergreifend sehr kollegial. Man kennt sich unter den wenigen tausend aktiven deutschlandweiten Spielern gut und gern, unterstützt sich und hat zusammen Spaß. Schließlich steht man sich als Konkurrent am Tisch Kopf an Kopf gegenüber.
Was ist eigentlich mit „Drillern“?
Die Schusstechnik des unkontrollierten schnellen Drehens/Kurbelns, des sogenannten „Drillerns“, ist natürlich nicht erlaubt. Nichtsdestotrotz kann man auch mit genug Übung auf andere Art und Weise einen satten und gezielten Schuss setzen. Beim sogenannten „Jet“, der durch das frühere Vereinsmitglied Friedrich Kircher weltweit etabliert wurde, absolviert man eine nahezu vollständige Umdrehung und befördert das Runde im besten Fall mit brachialer Geschwindigkeit ins Eckige. Den Namen der Technik verdankt sie aber nicht der Schnelligkeit, sondern weil Kircher damals von einer Darmstädter Tankstelle gesponsert wurde. Darüber hinaus ist das restliche Regelwerk so umfangreich, dass ein weiteres Ausholen hier kaum sinnvoll ist. Im Allgemeinen sollen es die Spieler in guter alter Fairplay-Manier unter sich klären, wenn eine mutmaßliche Regelwidrigkeit das Platzgeschehen unterbricht. Eigenverantwortung sticht Kontrolle – genau wie entspannte familiäre Trainingsatmo über allem steht. Die Tischfußballfreunde des TuS Damm sind das beste Beispiel dafür. Gut Kick!
