Was passiert, wenn drei junge Musiker Jazz nicht als fertiges Regelwerk, sondern als offenen Dialog verstehen? Das Sebastian Claas Trio bringt genau diese Haltung ins Mühlenforum. Im Zentrum des Dreier-Ensembles steht der Aschaffenburger Kontrabassist Sebastian Claas. Gemeinsam mit Pianist Paul Janoschka und Schlagzeuger Jonas Sorgenfrei bildet er eine Besetzung, die für einen modernen, international geprägten europäischen Jazz steht.
Im europäischen Jazz trifft die amerikanische Tradition auf Einflüsse aus Klassik, Folklore und die jeweiligen musikalischen Biografien der Musiker. Beim Claas Trio ist es vor allem die Lust am Wechselspiel, die den Ton angibt, neben Eigenkompositionen darf man sich auch auf tradierte Klassik in neuem Gewand freuen. Sebastian Claas’ Vita liest sich dabei fast wie die eines musikalischen Wunderkinds: Jahrgang 2002, begann er bereits mit fünf Jahren Kontrabass zu spielen und durchlief früh eine außergewöhnlich vielseitige Ausbildung. Von Würzburg führte ihn sein Weg an die renommierte Eastman School of Music im US-amerikanischen Rochester und schließlich an den Jazzcampus Basel, wo er aktuell noch im Master studiert. Als DAAD-Stipendiat wird er dort von Larry Grenadier begleitet, einem der profiliertesten Kontrabassisten des zeitgenössischen Jazz. Parallel sammelte Claas Erfahrung im Bundesjazzorchester und als gefragter Sideman auf internationalen Bühnen. Er spielte unter anderem mit Gregory Hutchinson, bekannt als einer der großen Schlagzeuger des modernen Jazz’, mit Lionel Loueke, dem aus Benin stammenden Gitarristen und langjährigen Herbie-Hancock-Weggefährten sowie mit dem Grammy-prämierten Schlagzeuger Dafnis Prieto und Jeff Ballard, der unter anderem durch seine Zusammenarbeit mit Chick Corea und Brad Mehldau bekannt ist. Eine extrem bemerkenswerte Vita, insbesondere in Hinblick auf das noch junge Alter von Claas.
Seine beiden Mitspieler stehen ihm in nichts nach und bringen ebenfalls internationales Format mit. Paul Janoschka studierte zunächst Jazzklavier in Mannheim, bevor er in die USA ging. Am City College of New York vertiefte er seine Ausbildung bei Kevin Hays und Fred Hersch. Zwei Pianisten, die zu den prägenden Stimmen des modernen Jazzpianos zählen. Heute lebt Janoschka in Frankfurt, arbeitet als Musiker und unterrichtet am Jazzcampus Basel.
Am Schlagzeug sitzt Jonas Sorgenfrei, der ebenso zwischen Deutschland und den USA musikalische Spuren hinterlassen hat. Nach seinem Studium in Würzburg und Nürnberg zog es ihn nach New York, wo er sein Profil als Drummer und Bandleader weiter schärfte. 2023 erhielt er den Bayerischen Kunstförderpreis. Mit seinem eigenen Quintett wurde er 2026 für den Deutschen Jazzpreis nominiert.
Musikalisch setzt das junge Trio, das sich vor wenigen Jahren in Nürnberg fand, auf Kompositionen von Claas, die Raum für Wendungen lassen. So entsteht kein Konzert nach festem Plan, sondern ein lebendiger und spontaner Austausch zwischen drei Vollblutmusikern. Eben diese Verbindung aus technischer Souveränität, musikalischer Offenheit und internationaler Erfahrung macht das Sebastian Claas Trio zu einer der spannenden jungen Formationen des europäischen Jazz’.
