Aschebersch goes Wacken (again)! Mit Minotaurus vertritt in diesem Jahr wieder eine Band den Untermain auf dem Holy Ground. Seit über drei Jahrzehnten servieren die Metal-Urgesteine ihren mächtigen, mystisch-melodiösen Mittelalter-Folkmetal einer treuen, stetig wachsenden Fangemeinde und kann im Lauf seiner Geschichte nicht nur auf unzählige Liveshows quer durch die Republik, sondern auch auf eine ganze Reihe gefeierter Veröffentlichungen zurückblicken.
In diesem Sommer folgt der vorläufige Höhepunkt der bewegten Bandgeschichte: Mit der letztjährigen Jubiläums-VÖ „Memories in the Haze“ und einer Riesenportion Bock im Gepäck werden sie am 1.8. mit lautem „Holla die Waldfee!“ die Wackinger Stage bügeln. Wie Minotaurus ins Line-up gekommen ist, worauf sich die Musiker am meisten freuen und ob sie eher Barden oder Halunken sind, haben wir beim Pre-WOA-Schnack mit Frontmann Olli Klump geklärt.
Die wichtigste Frage zum Einstieg: Wie kam es, dass Minotaurus 2026 Teil des Line-ups ist?
Das kann ich eigentlich nur vermuten, denn klassisch bewerben kann man sich ja bei solchen Festivals nicht. Es war wohl so, dass wir über einen Dritten bei den Verantwortlichen des WOA auf den Radar gekommen sind. Und zwar schon vor über drei Jahren, denn da hätte es fast schon einmal geklappt. Wahrscheinlich waren wir dann irgendwie bei denen auf dem Zettel und vielleicht haben uns auch unsere Shows auf anderen großen Festivals geholfen, einen Eindruck zu verfestigen. 2024 zum Beispiel haben wir unter anderem in Selb auf dem Festival Mediaval, dem größten Mittelalter- und Fantasyfestival, mit Bands wie Schandmaul, In Extremo oder Lord of the Lost gespielt und bewiesen, dass wir auch auf richtig großen Bühnen sehr gut funktionieren. Und was auch noch dazukommt und vielleicht eine Rolle gespielt hat, ist die Tatsache, dass wir mit unserer Musik im vielschichtigen Metalgenre eine Nische besetzen und daher viel Eigenständigkeit mitbringen. Letztendlich war es, denke ich, eine Mischung aus allem. Unsere Beharrlichkeit seit 1994, unser Fleiß in Sachen VÖs, Videos und Shows, unser Dickschädel und eine Riesenmenge Glück. Aber eines weiß ich mit Sicherheit, wir sind nach über 30 Jahren Bandgeschichte definitiv bereit für diese Show (lacht)!
© Peter Goetz
Minotaurus
Die Wackinger Stage bietet nach eigener Beschreibung den Barden, Banditen, Poeten, Halunken, Kriegern und Possenreißern eine Heimat. Passt das oder muss das Ganze nach eurer Show um Begriffe erweitert werden?
Ich würde die Reihenfolge etwas ändern, aber ansonsten passen die alle irgendwie ganz gut zu uns. Stierschädel, Legenden und Weltenwanderer werden dann ab August noch ergänzt.
Ihr könnt auf jede Menge VÖs, darunter sechs Longplayer, zurückblicken. Wird es schwer, aus dieser Menge Material den perfekten Querschnitt für euer Set zu finden?
So ganz einfach ist das nicht, zumal ja auch jeder von uns andere Lieblingssongs hat, die er oder sie gerne spielen würde. Aber die Erfahrungen aus den letzten Konzerten und natürlich die immer wiederkehrenden Publikumswünsche und Dauerbrenner helfen schon, den groben Fahrplan einzugrenzen. Der Rest wird dann beim Proben entschieden, denn es kommt ja auch darauf an, wie die Songs zusammen funktionieren und wirken. Ob es dann eine gute Auswahl war, sehen wir spätestens am 1.8. auf dem Holy Ground. Aber ich bin mir sicher, wir bekommen das hin.
Das WOA stellt sicher zumindest live einen bisherigen Höhepunkt eurer Bandgeschichte dar. Auf welchen Festivals würdet ihr zukünftig auch gerne noch spielen und warum?
Aber hallo, ganz sicher sogar! Da ist nicht mehr viel Luft nach oben, schließlich träumen die allermeisten Metalbands davon, einmal auf dem WOA zu spielen. Aber auch Festivals wie das Hellfest in Frankreich, das Summer Breeze oder das RockHarz wären für uns der absolute Wahnsinn! Unter dem Strich hat aber jedes Festival, ob groß oder klein, ob nah oder fern, seinen Reiz und wir hoffen einfach, dass wir die Ehre haben, bei einigen davon das Publikum zu begeistern. Wir freuen uns immer über solche Gelegenheiten und sind dankbar für alle Shows, die wir spielen dürfen.
MInotaurus
Worauf freut ihr euch am meisten? Auf die Show an sich oder auch auf das ganze Drumherum vor und hinter der Bühne?
Am meisten freuen wir uns tatsächlich auf den Auftritt selbst und die Möglichkeit, vor dem legendären Publikum in Wacken alles zu geben. Aber natürlich auch auf Begegnungen mit anderen Bands und Musikern. Und da stehen ja auch einige im Line-up, wie zum Beispiel die Metalgötter Judas Priest, bei denen uns ein persönliches Aufeinandertreffen wahrscheinlich umhauen würde (lacht). Für mich persönlich wäre es auch ein Traum, mit den kürzlich bestätigten Nevermore mal ein Methorn oder Bierchen zu heben. Diese Liste könnte ich noch sehr lange weiterführen. Egal wie, das wird für uns rund um unseren Auftritt ein mega Erlebnis und ich denke und hoffe, dass uns das alles auch als Band wieder ein Stück weiterbringt.
Neben dem WOA: Was habt ihr in absehbarer Zeit noch für coole Sachen vor der Brust?
Wir haben ja im November 2025 erst unser Jubiläumsalbum „Memories in the Haze“ samt vier Lyricvideos und einem sehr aufwendig gedrehten Musikvideo von „Coming Home“ über unser neues Label NRT Records veröffentlicht. Zudem hatten wir im letzten Jahr einige Besetzungswechsel, daher werden wir aktuell noch etwas Zeit benötigen für neues Material. Aber gerade auch durch unsere neuen Mitstreiter weht bei uns ein frischer Wind voller Dynamik und wir haben schon etliche Ideen. Ihr dürft also gespannt bleiben! Live werden wir vor Wacken noch eine kleine Anzahl von Gigs spielen, auch um alles auf der Bühne noch mal zu optimieren. Vielleicht ja auch auf der ein oder anderen lokalen Festbühne (grinst). Infos dazu gibt es dann zeitnah.
Bleibt noch unsere Standardfrage an alle Bühnenmenschen: Was ist das Allerletzte, das ihr tut, bevor ihr auf die Bühne geht? Gibt’s ein Ritual oder ähnliches?
Das ist eigentlich völlig unspektakulär. Abklatschen und „Holla die Waldfee“ schreien! Aber nach dem Auftritt … da sage ich mal lieber nichts dazu! (lacht)
Danke fürs euphorische Gespräch, Olli, mögen die Wackener euch feiern!
