Texte, Zeichnungen, Comedy und Podcasts – Miguel Robitzky ist ein Künstler, der seine Berufung zum Beruf machen konnte. Daran ist wohl auch seine Heimat, unser Aschaffenburg, nicht vollkommen unbeteiligt. FRIZZ Das Magazin hat Miguel zum launigen Austausch getroffen und durfte bei einer gemeinsamen Zeitreise eine sehr persönliche Seite von ihm kennenlernen.
Miguels kreative Laufbahn beginnt in seinem Kinderzimmer in Schweinheim. Während andere draußen spielen, zeichnet er Figuren, denkt sich Geschichten aus, bastelt Handpuppen oder dreht Knetanimationsfilme. Aus Raum und Zeit, seiner Fantasie und dem nötigen bisschen Langeweile entsteht eine einmalige Art von Kreativität, die später der Grundstein für sein Schaffen und Wirken sein wird. Im Vordergrund steht dabei seit jeher das Erzählen in Bildern und der Wunsch, Menschen andere Welten zu eröffnen.
Mit den Jahren erhält er erste Aufträge und zeichnet in seinem Kinderzimmer Karikaturen für Magazine und Onlinedienste. Was einst als Spiel begann, entwickelt sich konstant und beinahe natürlich über viele Jahre hinweg zu einem Job. Dranbleiben ist die Devise! Durch die Karikaturen kommt schnell auch das Schreiben dazu, schließlich brauchen Zeichnungen Pointen. So entstehen erste Texte und Sketche, die den 28-Jährigen bald zu Comedy, Satire und Schauspiel führen.
© Eno de Wit
too many tabs
Hier rückt Aschaffenburg auf ganz besondere Weise ins Bild, denn das Kleinstadtimage trügt – zumindest im kulturellen Kontext. Beim genaueren Hinsehen entpuppt sich das Bayerische Nizza als dichtes Geflecht aus Angeboten und Möglichkeiten. Über ein Praktikum bei MainTV knüpft er als junger Künstler erste Kontakte in die lokale Medien- und Musikszene, aus denen sich immer wieder neue Projekte, wie die Produktion von Musikvideos, ergeben. Die Aschaffenburger Kulturszene mit Orten wie dem Hofgarten Kabarett und einer langen Tradition von Zeichnern und Kabarettisten, die aus der Region stammen, zeigt Robitzky früh, dass kreative Berufe keine abstrakte Idee, sondern reale Möglichkeiten sind.
Zu dieser Zeit spielt das JUKUZ als zentraler Ort seiner ersten Auftritte mit der Schultheatergruppe der Knabenrealschule eine prägende Rolle. In intensiven Probenphasen lernt er nicht nur das Schauspielen, sondern auch das Zusammenspielen, das Vertrauen in Prozesse und die Erfahrung, dass sich Kreativität oft gemeinsam am besten entwickelt. Die festen Abläufe, klaren Probenzeiten und das gemeinsame Arbeiten für eine Sache legen den Grundstein für sein professionelles Tun und vieles, was später beinahe selbstverständlich erscheint – das Verkleiden, das Einarbeiten in Charaktere, das Erzählen und der Ausdruck über verschiedenste Rollen und Emotionen.
Neben dem überdurchschnittlich hohen kulturellen Angebot, das für Miguel in dieser Zeit besonders prägend ist, zeichnet Aschaffenburg aber auch aus, dass die Stadt eine Art „Sweet Spot“ für junge Kunstschaffende darstellt. Es gibt genügend kulturelle Impulse, um zu sehen, dass ein kreativer Weg realistisch ist, aber kein Überangebot, in dem man sich verliert. Wenn man etwas machen will, muss man selbst aktiv werden, was dazu führt, dass man sich ausprobieren kann und eine selbstständige, avantgardistische Arbeitsweise entwickelt, die nachhaltig wirkt und tragfähig bleibt.
Mit der Volljährigkeit geht es dann raus aus Aschaffenburg. Für ein Praktikum zieht Miguel in die Hauptstadt und bleibt – statt der geplanten drei Monate – ein Jahr, auch wenn ihn deren Kehrseite schnell einholt. Berlin ist groß und überfordernd, weshalb er seine Zelte abbricht und einen neuen Anlauf in Köln wagt. Hier findet er, wonach er gesucht hat. Die Rheinmetropole bietet unzählige berufliche Möglichkeiten und erinnert mit ihrer vertrauten, fast kleinstädtischen Dynamik an Aschaffenburg.
© Eno de Wit
Miguel Robitzky
An dieser Stelle findet der aufstrebende Künstler zum „ZDF Magazin Royale“ und darin eine Schule für die Zukunft. Schreiben wird zum Handwerk und Ideen unterliegen plötzlich Deadlines. Miguel lernt, seine Kreativität gezielt anzuwenden und wächst in Redaktionsprozesse und unterschiedlichste Formate rein. Von journalistischen Texten über fiktionale Szenen, Musicals, Animationen und Sketche – im Team um Jan Böhmermann wird seine kreative Entfaltung vielseitig gefördert.
Am Set lernt er Caro Worbs kennen und in der jahrelangen intensiven Zusammenarbeit erwächst eine einmalige Dynamik, die zum Nährboden für ihr gemeinsames Projekt „too many tabs“ wird. Der Podcast über die Untiefen des Internets und die Menge an banalem Wissen, die man bei einem Recherche-Rausch entdecken kann, wird seit 2022 vom NDR produziert und später auch live auf die Bühne gebracht. Robitzky gastiert im November 2025 mit der Podcastshow
„Die Vampir-Piraten von Atlantis“ in Aschaffenburg und rückt beim Auftritt, passend zu seinen Wurzeln, das Spielerische und die Improvisation wieder stärker in den Vordergrund. Kostüme, ein Bühnenbild und das perfekte Mitmachprogramm fürs Publikum dürfen dabei selbstverständlich nicht fehlen. Ob im Podcast, auf der Bühne, im Fernsehen oder in Graphic Novels wie „Mein Leben unter Ludwig II.: Memoiren eines Leibreitpferdes“, seine Arbeit kreist um Figuren am Rand, um Biografien mit Brüchen und Menschen mit Ecken und Kanten. Er nutzt seine ruhige und souveräne Präsenz, um Perspektiven zu beleuchten, die sonst verborgen bleiben und hegt dabei eine Vorliebe für Außenseiter und vermeintliche Bösewichte.
Wenn der Multikreative heute auf seinen bisherigen Weg blickt, dann nicht mit dem Gefühl angekommen zu sein, sondern mit einer Gelassenheit darüber, niemals vollends ankommen zu können. Wie heißt es so schön? Der Weg ist das Ziel. Projekte entstehen und gehen (so gerade traurigerweise „Bennys Baumhaus @„ZDF Magazin Royale“), Formate und Zeiten verändern sich, Prioritäten verschieben sich. Was bleibt, ist die Bereitschaft, neugierig, offen und flexibel zu sein und sich nicht auf eine Rolle festzulegen.
Aschaffenburg ist für ihn dabei immer ein wichtiger Bezugspunkt. Auch wenn Köln jetzt sein Zuhause sein mag, verdichten sich hier Vergangenheit und Gegenwart wie nirgends sonst und schaffen eine intensive Erinnerung an seine Ursprünge. Und vielleicht ist es ja genau das, was diese Stadt und seine Beziehung zu ihr ausmacht: Sie hält nicht fest, aber sie prägt. Sie motiviert, schafft Sehnsucht, bietet genügend Raum, um herauszufinden, wer man sein kann und ein Fundament, auf dem man aufbaut, egal wohin der Weg später führt. Wohin ebendieser Miguel Robitzky noch bringt, zeigt die Zeit, was er bisher erreicht hat, liest sich unter anderem auch bei Wikipedia wie das „Who is Who“ der deutschen Magazin-, Sender- und Shownamen. Wir freuen uns auf alles, was da weiterhin an Output kommt. „Tschüss, Benny!“
