Ein Film über Tischtennis in den 1950er-Jahren. Kann man damit ein Publikum generieren? Timothée Chalamet kann es anscheinend, jedenfalls hat „Marty Supreme“ in Amerika bereits 100 Millionen Dollar eingespielt und zählt damit schon jetzt zu den großen Blockbustern des Jahres.
Für den umtriebigen Schauspieler, der seinen Fans immer etwas Neues bieten will, ist dies jedenfalls mal wieder eine ganz andere Rolle. Und wer den Superstar der Stunde („Call Me By Your Name“, „Dune“, „Like A Complete Unknown“), gerne dort sieht, wo Glamour auf Schweiß trifft, sollte den Streifen von Josh Safdie auf dem Zettel haben.
Die Abenteuerkomödie nimmt sich einer schillernden Außenseiterfigur an und erzählt vom Aufstieg eines Straßengenies, das sich mit Talent, Dreistigkeit und unbedingtem Willen in eine Welt vorkämpft, die eigentlich für andere reserviert ist. Chalamet spielt Marty nicht als klassischen Helden, sondern als Getriebenen – nervös, ehrgeizig, immer ein bisschen zu schnell für seine Umgebung.
Der Reiz des Films liegt im porträtierten Milieu: Verrauchte Hallen, klebrige Tresen, nächtliche Duelle, bei denen es um Geld, Ruf und Ego geht. „Marty Supreme“ versteht Sport allerdings weniger als Wettbewerb denn als soziale Bühne, auf der Herkunft, Klasse und Männlichkeitsbilder aufeinanderprallen. Diese Perspektive verleiht der Geschichte Tiefe und macht sie anschlussfähig an aktuelle Fragen nach Selbstinszenierung und Erfolg um jeden Preis.
Inszenatorisch setzt Safdie, der zusammen mit seinem Bruder auf beachtliche Achtungserfolge wie „Black Diamond“ oder „The Smashing Machine“ zurückblicken kann, auf rohe Energie statt Hochglanz. Die Kamera ist nah an den Körpern, der Rhythmus treibend, fast atemlos. Das passt zu einer Hauptfigur, die immer kurz davorsteht, sich selbst zu überholen.
„Marty Supreme“ ist damit kein gefälliges Biopic über die titelgebende Tischtennislegende, sondern nur lose vom Leben des Marty Reismans inspiriert, ideal also für Fans von Chalamet, die seine markanten Charakterrollen im Kino lieben.
