Marilyn Monroe ist bis heute Projektionsfläche, Popikone und Mythos. Kaum eine Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts wurde derart oft fotografiert, interpretiert und künstlerisch verarbeitet. Die Galerie Boll & Steiniger im Roßmarkt widmet dem Weltstar nun eine Ausstellung, die bewusst hinter das vertraute Bild der platinblonden Leinwandgöttin blickt und dabei spannende Verbindungen zwischen Fotografie, Pop Art und zeitgenössischer Kunst schafft.
Zum 100. Geburtstag der Schauspielerin versammelt die Schau Arbeiten, die nicht nur das öffentliche Bild Marilyn Monroes beleuchten, sondern auch die Frau dahinter. Denn Norma Jeane Mortenson, die später als Marilyn Monroe zur berühmtesten Blondine Hollywoods werden sollte, war weit mehr als das Sexsymbol, zu dem sie in den 1950er-Jahren stilisiert wurde. Mit Filmen wie „Blondinen bevorzugt“, „Das verflixte 7. Jahr“ oder „Manche mögen’s heiß“ wurde sie zum internationalen Superstar. Gleichzeitig kämpfte sie zeitlebens gegen die Klischees, die ihr auferlegt wurden, und suchte nach Anerkennung als ernsthafte Schauspielerin. Ihre Verletzlichkeit, ihre Unsicherheiten und ihre Sehnsucht nach Selbstbestimmung gehören ebenso zu ihrer Geschichte wie das strahlende Lächeln, das bis heute Generationen von Künstlern inspiriert.
Den emotionalen Kern der Ausstellung bilden bislang unveröffentlichte Fotografien und Tonaufnahmen des amerikanischen Fotojournalisten Allan Grant. Der langjährige Mitarbeiter des renommierten Life Magazins besuchte Monroe im Juli 1962 in ihrem Haus in Los Angeles. Nur wenige Wochen später starb sie mit nur 36 Jahren. Über sechs Jahrzehnte blieben die Aufnahmen unter Verschluss. Nun werden sie erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Die Bilder zeigen keine unerreichbare Ikone, sondern einen nachdenklichen, sensiblen Menschen und eröffnen einen ungewöhnlich persönlichen Blick auf die letzten Wochen ihres Lebens.
Marilyn 100
Einen weiteren Schwerpunkt setzt die Schau mit Werken des amerikanischen Pop-Art-Künstlers James Francis Gill. Bereits 1962 schuf er sein berühmtes „Marilyn Triptych“, das noch vor den Arbeiten Andy Warhols in die Sammlung des Museum of Modern Art in New York aufgenommen wurde. Mehr als 60 Jahre später kehrt Gill zu seinem bekanntesten Motiv zurück. Auf Grundlage des entdeckten Fotomaterials von Allan Grant entstand ein neues Marilyn-Triptychon, das in Aschaffenburg zu sehen ist. Ergänzt werden die Arbeiten durch Unikate des inzwischen 91-jährigen Künstlers, der zu den bedeutenden Vertretern amerikanischer Pop Art zählt. Auch der amerikanische Zeichner Dan Pyle und der deutsche Künstler Saxa sind vertreten. Während Pyle mit realistischer Präzision arbeitet, erschafft Saxa seine Porträts aus Wörtern, Gedichten und biografischen Texten. Seine Werke erzählen Monroes Geschichte buchstäblich Zeile für Zeile und verleihen der Ikone damit eine weitere Ebene.
„Marilyn 100“ ist damit weit mehr als eine nostalgische Hommage. Sie verbindet Kunst- mit Zeitgeschichte und zeigt, weshalb Marilyn Monroe auch 100 Jahre nach ihrer Geburt nichts von ihrer Strahlkraft verloren hat. Wer sich für Fotografie, Pop Art und die Geschichten hinter berühmten Bildern interessiert, sollte bei Boll & Steiniger unbedingt vorbeischauen.
