Sophia gehört längst zu den spannendsten Stimmen des deutschsprachigen Pops. Mit ehrlichen Texten, emotionalen Songs und ihrer nahbaren Art hat die gelernte Goldschmiedin mithilfe von TikTok und Instagram ein modernes Musikmärchen hingelegt: Millionen Aufrufe und eine stetig wachsende Fanbase.
Drei Platten später hat sich die Sängerin und Songwriterin in Windeseile zur festen Größe des deutschen Popkosmos entwickelt. Mit ihrem dritten Album „Durch die Blume“ präsentiert sie sich nun persönlicher und vielseitiger denn je. FRIZZ Das Magazin hat mit Sophia über Kreativität, Konzertmomente und ihren Weg zur Musik gesprochen.
FRIZZ Das Magazin: Wie würdest du dein aktuelles Album „Durch die Blume“ in drei Worten beschreiben?
Sophia: Emotional, nahbar und ehrlich. Ich glaube, das beschreibt das Album ganz gut, weil es auf der einen Seite sehr gefühlvoll und persönlich ist, aber gleichzeitig auch ganz viele kreative und leichte Momente hat. Und ehrlich, weil ich versucht habe, wirklich genau das zu schreiben, was ich fühle, ohne mich zu verstellen.
Gab’s ein Überraschungsmoment beim Entstehungsprozess?
Ja, voll viele eigentlich. Am meisten überrascht hat mich, wie sehr dieses ganze Blumenkonzept irgendwann ein richtiges Eigenleben bekommen hat. Am Anfang war das eher so eine kleine Idee und plötzlich haben wir Vinyls angesprüht, Blumen gebaut, Shootings geplant und alles wurde immer größer und kreativer.
Welche Themen waren dir beim Schreiben besonders wichtig?
Mir war wichtig, auch die tieferen Themen abseits von Friede-Freude-Eierkuchen zu beleuchten und Struggles, Ängste und Unsicherheiten zu normalisieren.
Wie sieht ein typischer Songwriting-Tag bei dir aus?
Manchmal entsteht innerhalb von einer Stunde ein kompletter Song und manchmal sitzt man den ganzen Tag da und redet erst mal nur über Gefühle, Situationen oder Gedanken. Meistens starten wir einfach mit einem Thema oder einem Satz, der irgendwo im Raum steht und schauen, was daraus passiert. Und natürlich sehr viel Kaffee!
Schreibst du Songs eher aus einem Impuls heraus oder entwickelst du Ideen über längere Zeit?
Ganz unterschiedlich. Meistens aus einem Impuls. Es gibt aber auch Songs, die länger brauchen und immer wieder liegengelassen und neu geschrieben werden, bis der Song dem Gefühl oder der Idee, die ich habe, gerecht wird.
Wie bleibst du kreativ, wenn du mal keine Ideen hast?
Das ist eine gute Frage. Sobald ich eine Idee habe, halte ich diese fest, egal ob Notizen oder Sprachmemo, damit man in der Songwriting-Session dann direkt einen Ansatz hat, falls mal keine spontane Idee kommt. Kreativität auf Knopfdruck hat noch nie so wirklich gut funktioniert. Ich glaube, deshalb ist es umso wichtiger, so viel wie möglich zu schreiben. Aus zehn Songs hat man am Ende dann vielleicht drei oder vier, die wirklich gut geworden sind.
Was treibst du so, wenn du gerade keine Musik machst?
Musik ist zwar der Hauptteil, aber natürlich nicht alles in meinem Job. Von langweiligen Officetagen am Laptop bis Shootings, Planung oder Interviews ist alles dabei. In meiner Freizeit bin ich gerne mit meinen Freunden unterwegs, sitze zu Hause an meinem Goldschmiedetisch oder bin mit meinem Hund April im Wald.
Gibt es etwas am Musikerinnen-Dasein, was dein jüngeres Ich überrascht hätte?
JA! Und zwar, wie viele Menschen hinter den Kulissen arbeiten, die man in der Öffentlichkeit gar nicht sieht. Vom Management über Grafiker über Tourmanagement, Produktionsleitung, Lichtdesigner, Produktmanagement und, und, und … Teilweise wusste ich nicht mal, dass es diese Jobs überhaupt gibt, obwohl sie so essenziell sind.
War Musik für dich ein klarer Plan?
Ich habe als Kind schon davon geträumt, auf der Bühne zu stehen. Allerdings war dieser Traum für mich immer so weit weg und nicht greifbar. Ich hätte auch gar nicht gewusst, wo man da anfangen muss oder wie man einen Song schreibt. Im Laufe der Zeit hat es sich dann eher langsam ergeben durch verschiedene kleine Türen, die sich nach und nach geöffnet haben.
Gab es einen bestimmten Augenblick, an dem du gemerkt hast: Ich will das wirklich machen?
Das war eigentlich schon immer der Fall! Ein Schlüsselmoment war, als ich das erste Mal meinen ersten eigenen Song „Niemals Allein“ auf TikTok und Instagram geteilt und dann gemerkt habe, wie viele Leute das erreicht hat und wie viel Zuspruch ich bekommen habe. Dafür bin ich meiner Community bis heute sehr dankbar. Viele sind wirklich seit Tag eins dabei!
Gibt es etwas, das du beim Musikmachen inzwischen ganz anders machst als noch vor ein paar Jahren?
Nein, eigentlich nicht. Vielleicht, dass ich mehr Selbstvertrauen bekommen habe und sicherer im Prozess geworden bin, ich traue mich viel mehr, einfach Sachen auszuprobieren und auch mal schlechte Ideen zu haben. Daraus kann trotzdem auch immer noch etwas Gutes entstehen. Ich habe gelernt, mich auf mein Bauchgefühl zu verlassen und auch mal selbst zu sagen, hey – ich finde meine Idee gut, egal was vielleicht ein anderer in dem Moment darüber denkt.
Du hast ursprünglich Goldschmiedin gelernt: Was aus diesem Handwerk begleitet dich heute noch?
Ich würde sagen die Geduld und Liebe zum Detail. Und dass Sachen auch schief- oder kaputtgehen können und man dadurch nicht die Ausdauer und den Mut verlieren darf.
Gibt es Parallelen zwischen einem fertigen Schmuckstück und einem fertigen Song? Also diesen Zeitpunkt, an dem man merkt: Jetzt passt es?
Ja! Das Spannende an beiden Jobs ist, dass man eigentlich mit nichts in den Tag startet und am Ende des Prozesses ein fertiges „Produkt“ geschaffen hat. Egal, ob es ein Song oder ein Schmuckstück ist. Man startet mit einer Vision, einer Skizze, der einer kleinen Idee, die dann im Lauf des Prozesses immer klarer wird.
Was inspiriert dich im Alltag gerade am meisten – eher andere Musik oder Dinge außerhalb davon?
Eher außerhalb davon. Momente, Begegnungen, Gefühle, Gedanken.
Du hast schon Preise wie die Goldene Henne abgeräumt, den Titelsong von Vaiana 2 gesungen und in den Charts Ed Sheeran überholt. Hast du Karriereziele, die du noch erreichen willst?
Es gibt auf jeden Fall noch viele Bühnen, auf denen ich gerne mal spielen würde. Aber am Ende sind für mich die wichtigsten Ziele eigentlich eher diese Momente auf Konzerten. Dass Leute kommen, die Songs mitsingen und man gemeinsam irgendwie einen besonderen Abend erlebt. Natürlich wäre irgendwann mal eine eigene Arenatour komplett verrückt.
Was bedeutet Erfolg für dich persönlich?
In den Menschen etwas zu bewegen und dass ich von der Musik leben kann. Es ist so schön, besonders auf Konzerten zu sehen, wie viele Menschen kommen und mir zuhören, mitsingen und gemeinsam feiern.
Was war dein bisher aufregendster Auftritt?
Auf jeden Fall die Kinderklinikkonzerte. Da merkt man noch mal auf einer ganz anderen Ebene, was Musik bewegen kann und worum es dabei auch eigentlich geht …
Gibt es Momente auf der Bühne, die sich für dich besonders „echt“ anfühlen, unabhängig von Größe oder Setting?
Auf jeden Fall sind das die Momente, in denen die ganze Crowd meine Songtexte singt. Das ist jedes Mal aufs Neue unbeschreiblich. Und auch die Momente, in denen ein Kind auf die Bühne kommt und mit mir gemeinsam einen Song singt.
Was können deine Fans von deiner aktuellen Tour erwarten?
Ganz viel Gefühl und ganz viel Spaß. Mir war wichtig, dass die Tour sich wie ein gemeinsamer Abend anfühlt und nicht einfach nur wie „Ich spiele Songs und gehe wieder“. Es gibt viele persönliche Momente, viel Mitsingen und oft fühlt es sich eher an wie ein großes Treffen als nur ein Konzert.
Wir freuen uns schon, dich in Aschaffenburg auf der Sommerbühne auf dem TH-Campus live zu sehen. Was macht für dich den Reiz solcher – eher regionalen Festivals und kleiner Open-Air-Bühnen – aus?
Ich liebe gerade an solchen Festivals, dass es oft viel persönlicher und nahbarer ist. Man merkt total, wie viel Herz da drin steckt und die Stimmung ist meistens richtig besonders. Außerdem liebe ich Sommerkonzerte einfach: Draußen spielen, Sonnenuntergang, warme Luft und gemeinsam Musik hören, ist schon schwer zu toppen!
Hast du ein Ritual vor Konzerten?
Wir stehen mit der Band immer zusammen im Kreis und einer macht eine kleine motivierende Ansprache. Danach wird „Wir zersägen heut’ die Stage“ gerufen und dann geht’s los zur Show.
Vielen Dank für das offene und ausführliche Gespräch, liebe Sophia!
www.colos-saal.de, www.kulturamt-aschaffenburg.de/sommerbuehnen
