Mit seinem Stück „Ich geh jetzt bouldern“ fing alles an. Der promovierte Statiker hatte einen ersten viralen Hit in den sozialen Medien und legte damit den Grundstein für seine Comedykarriere. Der Heidelberger gewann Jury- und Publikumspreis des Obernburger Mühlstein 2025, erreichte Top-3-Platzierungen bei verschiedenen anderen Kabarettwettbewerben, gewann mehrere Songslams und ist seitdem unermüdlich auf den Bühnen der Nation unterwegs. Dabei stehen bei ihm Humor und Musik auf der gleichen Stufe: Ob Schlager, Hip-Hop oder Nasenflöte, kein Genre ist vor ihm sicher! Rhetorisch pointiert und sich nie für einen selbstironischen Kalenderspruch zu schade. Dürfen wir vorstellen: Shootingstar Samuel Kilian, ein aufstrebender Newcomer der Kleinkunstszene aus der schönsten Stadt Deutschlands.
FRIZZ Das Magazin: Hallo Samuel, du bist ein sehr lustiger Mensch. Worüber kannst du privat herzlich lachen?
Samuel Kilian: „Warum klaut Robin Hood Deo? Um es unter den Armen zu verteilen.“ Ich liebe Flachwitze! Darunter leidet vor allem mein Bürokollege. Humor bedeutet für mich Überraschung und Offenheit. Mein persönlicher Humor hat nicht den Anspruch, intellektuell zu sein.
Welche Themen hast du im kommenden Programm? Worauf darf man sich freuen?
Ich beschäftige mich mit den großen Problemen unserer Zeit: Social Media, Onlinedating und Hundebesitzer. Glücklicherweise habe ich für alles eine Lösung parat. Befreundete Künstler haben meine Show einmal als Wundertüte beschrieben: Nie vorhersehbar, immer unterhaltsam!
Du „parodierst“ in deinen Auftritten vielfältige Musikgenres? An welche Richtung hast du dich bisher nicht herangetraut?
Ich habe einen Gangster-Rap über das Thema Straßenverkehr und einen Ballermann-Schlager über medizinische Probleme. Ich würde gerne einen feurigen Flamenco über meine große Liebe schreiben: mein Smartphone. Aber dafür muss ich noch mehr Gitarre üben.
Samuel Kilian
Dein Song „Ich geh jetzt bouldern“ ist ein kleiner viraler Hit geworden. Was war die inspiratorische Grundlage für dieses Stück?
Tatsächlich bin ich selbst passionierter Boulderer und habe so ganz unterbewusst viele Jahre lang für diesen Song recherchiert. Als mir dann die Idee für dieses Lied kam, schrieb es sich von selbst.
Bei deiner Tour trittst du gelegentlich auch in Boulderhallen auf? Wie reagiert die Community mittlerweile auf dich?
Boulder-König wird, wer Hafer-Latte trinkt und den stärksten Toe-Hook hat. Da habe ich leider keine Chance. Aber bei meiner Tour habe ich mein Lebensziel verwirklichen können: meinen Bouldersong in einer Boulderhalle spielen. Bouldernde Kinder wollten Autogramme von mir und viele haben erzählt, dass sie mein Lied immer auf dem Weg zur Boulderhalle hören. So habe ich mich kurz wie ein König gefühlt, bevor ich dann von einem oberkörperfrei auf der Slackline longboardenden Philosophie-Studenten vom Thron gestoßen wurde.
Eines deiner weiteren Themen ist das heutige Dating via Tinder. Wie lautet deine gegenwärtige Feldanalyse?
Mit dem Thema Partnersuche beschäftige ich mich natürlich nur aus rein künstlerischem Interesse. Es gibt dazu viel wissenschaftliche Literatur und als promovierter Statistiker habe ich sogar meine eigenen Simulationen durchgeführt. Online-Dating verknüpft Menschen effizienter als die klassischen Real-Life-Partnerbörsen Arbeitsplatz, Sportverein und Hundewiese, aber das System hat auch viele Schwächen. Zum Beispiel führt der Männerüberschuss auf diesen Plattformen in einem Teufelskreis dazu, dass Frauen viel zu viele und Männer viel zu wenig Likes bekommen. Männer leiden auch eher unter Erfolglosigkeit, wohingegen Frauen öfter grenzüberschreitendes Verhalten erleben. Das Fazit lässt sich in zwei Redewendungen zusammenfassen: „Was sich liebt, das likt sich“ und „Alte Liebe ghostet nicht“.
© Michi Gruber
Samuel Kilian
Du bist aktuell selbst Single. Was muss deine Herzensdame denn so mitbringen?
Wo du es gerade erwähnst, ja, ich bin tatsächlich Single, und mehr Infos dazu findet man auch auf meinem Tinder-, Bumble-, Hinge-, OkCupid-, Lovoo- oder Parship-Profil. Damit eine Frau mich rumkriegen kann, muss sie zunächst mal Interesse an mir haben. Ja, und das reicht eigentlich schon.
Dabei lebst du als schöner Mann im schönen Heidelberg! Wie viel Glück kann man bitte haben? Nenn drei Gründe, warum jeder UMGEHEND deine Heimat besuchen sollte?
Zunächst einmal vielen Dank für das Kompliment. Könntest du das bitte exakt so abdrucken? Dann nehme ich das in mein Tinder-Profil auf (Anm. d. Red.: Tun wir hiermit!) Heidelberg ist tatsächlich eine sehr schöne Stadt, aber das kommt auch mit Nachteilen. Ich suche beispielsweise schon lange erfolglos eine größere Wohnung. Also wenn einer etwas hört, bitte melden! Warum man Heidelberg umgehend besuchen sollte: 1. Ich bin hier (und ich bin noch Single). 2. Mein Nachbar ist hier (und er wohnt neben jemandem, der noch Single ist). 3. Hier gibt es viel Schönes auf einem Fleck: den Philosophenweg mit grandioser Aussicht auf die Altstadt, den Neckar, das Heidelberger Schloss, den Odenwald … und eben mich.
Noch dazu spielst du mehrere Instrumente? Das ist ziemlich sexy. Welches davon ist das Exotischste?
Ich bin vermutlich einer der führenden internationalen Experten für Nasenflöte. Ich besitze diverse Ausführungen und habe auch schon einen Nasenflöten-Testbericht verfasst. Ich liebe außergewöhnliche Instrumente und in meiner Show kommen mindestens sieben verschiedene zum Einsatz. Müsst ihr selbst erleben!
Noch ein Thema. Deutschland und die Straßenmusik. Was ist verbesserungswürdig?
Tatsächlich habe ich mich 2025 an einer Straßenmusik-Tour versucht und bin grandios gescheitert, trotz Keytar und Glitzer-Outfit. Ich glaube, die meisten Menschen haben einfach keine Zeit mehr dafür. Ich kenne es von mir selbst; wenn ich durch die Stadt gehe, habe ich üblicherweise ein Ziel und zu wenig Zeit und bleibe entsprechend nicht für Straßenmusik stehen, obwohl es viel schöne gibt.
Warum müssen wir ALLE am 6.3. zu deiner Liveshow in die Obernburger Kochsmühle kommen? Was würden wir ansonsten verpassen?
In meiner Show wird es viele Dinge geben, die man so noch nie auf einer Bühne gesehen hat. Etwa ein publikumsgesteuertes Elektroschock-Armband. Oder ein live performter Küchen-Lifehack. Es wird unglaublich unterhaltsam und kurzweilig und ich könnte da jetzt auf diverse Preise und Pressestimmen verweisen, aber ich finde, ihr könnt mir das auch einfach mal glauben! Und wem es nicht gefällt, für den gibt es eine Handynummer-zurück-Garantie.Dimitrios Charistes
