Eule lebt in einem Wald am Rand der Stadt. Als sie eines Abends durch eine wunderschöne Melodie geweckt wird, beginnt für sie eine zauberhafte musikalische Reise. Sie trifft Tiere, die genau wie deren jeweilige Lieblingsmusik unterschiedlicher nicht sein können.
So lernt Eule den Rock-Maulwurf auf einem Festival-Zeltplatz kennen oder bekommt von der Pop-Fliege einen saftigen Ohrwurm verpasst. Aber die Welt der Musik ist vielseitig und allerlei gut gelaunte Musikfreaks wie der Reggae-Papagei, die Punk-Katze, die Elektro-Fledermaus oder die Hip-Hop-Ratte zeigen ihr weitere spannende Musikgenres. Die drei kreativen Macherinnen Charlotte Simon, Nina Addin und Christina Anders haben sich die Eule während ihrer Studienzeit ausgedacht. Sie wollten coole Musik für coole Kinder machen, die sich von typischen einfachen Kindermelodien abhebt. Mit dem Hörspiel wurde das junge Trio im Label von Rolf Zuckowski unter Vertrag genommen und rockt seitdem deutsche Kinderzimmer, darüber hinaus aber auch erfolgreich die Hallen und Theater der Nation. Das FRIZZ-Gespräch blickt mit Autorin Christina Anders hinter die Kulissen der kultigen und vor wahnwitziger Kreativität sprudelnden Produktion.
FRIZZ DAS MAGAZIN: Die Hörspielreihe „Eule findet den Beat“ gibt es fast zwölf Jahre. Ihr konntet große Erfolge mit ausverkauften Vorstellungen, tausenden verkauften Alben feiern. Wie fühlt es sich an, im Kindermusikmarkt eine derart wichtige Rolle eingenommen zu haben?
Christina Anders: Die Idee des ersten Albums war es ursprünglich ja nur, Kindern einen Zugang zur Musik zu öffnen: Was ist eigentlich Jazz, was ist Punk, Hip-Hop, Reggae usw. – und warum macht diese Musik so einen Spaß, was macht sie besonders und wie bewege ich mich dazu. So ein Produkt gab es in Deutschland in dieser Form noch nicht. Das hat uns echt erstaunt, dass wir wirklich die Ersten waren, die mit so einer Idee um die Ecke kommen. Dennoch sind wir auch demütig, denn zu so einem Erfolg tragen auch glückliche Zufälle bei – wie eben der, dass Nina (Addin) während ihres Praktikums bei Universal Music Rolf Zuckowski im Fahrstuhl getroffen hat und ihm von unserem Projekt erzählt hat, der sich gleich sehr begeistert gezeigt hat und schließlich die Schirmherrschaft übernommen hat.
© Peter Bruns
Eule findet den Beat
Du bist als Autorin für die Stimmen der Charaktere zuständig. Wie kam es zu Eule, Assel, Fuchs etc.? Es ist sehr gelungen, wie die einzelnen Tiere auch die jeweilige Musikrichtung repräsentieren. Da steckt subtiler Witz dahinter.
Grundsätzlich arbeiten wir als Trio gerade beim Grundgerüst der Hörspiele eng zusammen. In langen Brainstormings treffen wir die Entscheidungen für die markanten Charakteristika der jeweiligen Tiere. Gerade beim ersten Album war uns wichtig, dass auch unpopuläre Tiere einen Platz bekommen, wie etwa die Kellerassel oder die Motte aus dem Kostümfundus. Dafür lösen wir uns gerne von realistischen Proportionen oder der Tatsache, dass Eule bestimmt die Hälfte ihrer neuen Freunde zum Fressen gern hat. (lacht)
Wie habt ihr die Bühnenfassung konzipiert?
Uns war wichtig, dass die Kinder einerseits die Hörspiele erkennen, aber gleichzeitig auch Neues entdecken. Doch das ergibt sich ohnehin durch die Live-Erfahrung. Viele Kinder sind ja zum ersten Mal auf einem echten Konzert und da gibt es oft ein großes Staunen, dass die Musik wirklich in diesem Moment auf der Bühne entsteht. Und so gibt es viel zu gucken: Die Band, das Bühnenbild, die Kostüme und es gibt auch ein paar Überraschungen, die es so in der Hörspiel-Vorlage nicht gibt. Die Kinder selbst sind Teil einer tollen Dynamik bei unseren Auftritten. Kinder sind einfach ein ultracooles Publikum, das immer sehr direkt reagiert und sich auch gerne ansprechen lässt. Erwachsene sind da viel schüchterner, wenn man ihnen sagt: Mach mal eine Monsterfratze oder ein Pupsgeräusch. Aber Kinder lachen und feiern das.
Es heißt, dass Kinder und Jugendliche zwar nach wie vor großes Interesse an Musik, die Hörgewohnheiten sich aber geändert haben und immer weniger Musikinstrumente spielen lernen. Habt ihr mit der Eule daher eine Mission, Kids an Musik(instrumente) zurückzuführen und ihnen die Leidenschaft am Musizieren zu zeigen?
Es stimmt, dass sich der Umgang mit Musik verändert hat. Als das erste Eule-Album vor etwa zwölf Jahren entstanden ist, war das noch nicht so spürbar. Wir wollten mit Eule frischen Wind in die Kindermusik bringen. Wichtig war uns dabei immer die spaßige Art und Weise der Vermittlung – also ohne erhobenen Zeigefinger und ein unterschwelliges „Pass auf, Kind, ich erklär’ dir jetzt mal was!“
© Peter Bruns
Eule findet den Beat
Was war euch bei der Produktion der Hörspielreihe und der Komposition der Stücke besonders wichtig umzusetzen?
Wir nehmen Kinder ernst und speisen sie nicht mit schlecht produzierter Musik ab, weil sie ja „nur“ Kinder sind. So haben wir es seit dem ersten Album gehalten und daran auch bis heute nichts geändert. Die Künstlerinnen und Künstler, die an unseren Alben mitwirken, sind allesamt Profis – und die allermeisten machen sonst Musik für Erwachsene. Wahrscheinlich werden unsere Hörspiele deswegen so gerne auf Autofahrten gehört, weil Mama und Papa das gut aushalten können. Das schönste Kompliment, das uns Eltern machen, ist, wenn sie sagen: Wir hören eure Musik auch wenn die Kinder gar nicht im Auto sitzen. (lacht)
Wie läuft die Zusammenarbeit in eurem Trio konkret ab? Hat jeder einen festen Part im Rahmen der Entwicklung neuer Geschichten oder besteht viel Diskussionsbedarf?
Nina Addin arbeitet im Musikmanagement und hält die Kontakte zu den Musikern und Produzenten, Charlotte Simon illustriert die Tiere der Geschichte und gibt jedem Album seinen besonderen Look und ich erarbeite auf Grundlage unseres gemeinsamen Konzepts die Geschichte des Hörspiels mit den Dialogen. Überhaupt stehen wir während der Erarbeitung eines neuen Hörspiels im ständigen Austausch, bis wir irgendwann – ein großer Moment (!) – zusammen im Aufnahmestudio sind, Regie führen und alle Teile schließlich zueinander bringen.
In euren Geschichten geht es verstärkt um Wertevermittlung wie Umweltbewusstsein und Gerechtigkeitssinn. Was glaubst du sind die Themen dieser Zeit, die gerade bei Kindern hoch im Kurs stehen?
Die jetzt heranwachsenden Generationen sind in meinem Gefühl schon viel stärker sensibilisiert für Themen wie Umwelt, Ressourcen, Tierhaltung usw. Ich glaube, das ist wirklich wichtig, hier nicht alles von ihnen fernzuhalten. Gleichzeitig muss man sie damit auch nicht permanent konfrontieren. Kinder haben ohnehin feine Sensoren. Sie verstehen viel mehr als wir glauben und ich bin fest überzeugt, dass sie vieles besser machen werden.
Wie können Eltern beitragen, dass Musik eine große Rolle spielt, während es in deutschen Schulen oft eher als sekundäres Fach behandelt wird?
Wichtig ist im Moment vor allem, Musik und künstlerisches Interesse gesellschaftlich und politisch zu schützen und zu fördern. Durch den vermehrten Einsatz von KI und durch eine Gesetzgebung, die noch viel zu wenig Antworten darauf hat, wie man die Kunst schützt, ist es für Künstler gerade eine wirklich schwierige Zeit mit vielen Unsicherheiten.
„Eule findet den Beat“ ist mittlerweile viel mehr als nur Entertainment. Beim Theater setzt ihr auf Musikvermittlung und es gibt pädagogisches Begleitmaterial. Wohin soll die Reise mit der Marke noch gehen?
Tatsächlich gibt es ein großes Projekt, an dem wir schon seit einiger Zeit arbeiten: ein Eule-Kinofilm. Medienboard Berlin und die MOIN in Hamburg haben unser Projekt bereits gefördert. Wir sind also mitten im Prozess des Drehbuchs, eines ersten Piloten usw. Es ist superaufregend und wir hoffen, dass der Film eines Tages wirklich in die Kinos kommt.
Danke für das Gespräch, wir freuen uns auf euren Auftritt in Aschaffenburg!
