Nach ihrem Zivildienst gaben sich die Herren Boppins genau ein Jahr Zeit, um auszuchecken, ob das als Profiband überhaupt funktionieren kann, so wie sie es sich vorgestellt haben. Der Rest ist Aschaffenburger Musikgeschichte. Fakt ist: Vier Jahrzehnte lang mit weit über 100 Konzerten per anno durch die Republik zu reisen und dabei keinerlei Quäntchen Lust und Energie einzubüßen, ist eine unfassbare Leistung! Sie zelebrieren den Rock ’n’ Roll, genießen sämtliche Höhen und trotzen Herausforderungen, sie lassen sich niemals die gute Laune nehmen und halten die Aschaffenburger Fahne hoch. Und da runde Geburtstage gebührend gefeiert werden müssen, gibt es am 23.8. den großen B-Day-Bash mit einem feinen Line-up, allen ehemaligen Sängern und ganz viel Eierlikör on und off Stage der Sommerbühne auf dem Campus der TH. Was fehlt da noch? Klar, ein Treffen mit den FRIZZen bei Käffchen und Bienenstich in der Lieblingskonditorei der Band.
Bei der Terminvereinbarung hieß es eurerseits „nicht vor 11 Uhr!“. Wieviel Rockstar-Attitüde darf’s denn sein? Gab’s noch morgendliche Anwendungen, Massagen oder ähnliches?
Golo: Die Erklärung ist einfach. Ich musste noch mit dem Hund raus! Und zudem ist der Verkehr in die Stadt rein um diese Uhrzeit viel angenehmer.
Hat aber immer noch gereicht, dass ich mich verspäte. Die Parkplatzsuche ist und bleibt ’ne Katastrophe.
G: Ich habe dem Thomas gesagt, er soll mir ein Handtuch auf den Parkplatz legen. Geheimtipp! (Es entspinnt sich direkt eine rege Diskussion über das Geschäftsmodell, in Innenstädten Parkflächen zu vermieten und damit die unangefochtene Weltherrschaft an sich zu reißen.)
Freut ihr euch schon auf euren B-Day-Bash auf dem Campus?
Michi: Klar, tierisch. Vor allem, weil die Leute den ganzen Nachmittag und Abend wirklich richtig viel geboten bekommen. Wir haben sehr geile Acts am Start …
G: … und bei unserem Auftritt kommen alle unsere ehemaligen Sänger für ein paar Songs zu ihren Comebacks!
© Till Benzin
Boppin’B
Beschreibt mir doch mal bitte jeder von euch 40 Jahre Bandgeschichte in einem Satz! Kettensätze sind erlaubt.
Didi: Klassenfahrt.
Thomas: Ja, stimmt, eine immerwährende Klassenfahrt.
M: Also sind wir eine Schülerband?! Passt ja auch.
G: Rock ’n’ Roll, nix anderes.
Was ist das Geheimnis, als Band 40 Jahre zu bestehen und sich immer noch wohlzufühlen?
D: Man muss das ein bisschen verifizieren, denn Hot’Lanta gibt’s zum Beispiel länger als uns. Aber ich glaube, die besondere Herausforderung liegt in der Anzahl der Shows pro Jahr.
Ich passe die Frage an: Was ist das Geheimnis, als Band mit über 100 Terminen pro Jahr zu bestehen und sich immer noch wohlzufühlen?
T: Das hat alles mit Wertschätzung untereinander zu tun. Wir wissen einfach, was wir aneinander trotz all unserer Macken haben. Und gegenüber der Tatsache, dass wir so etwas machen dürfen. Wir wissen, dass wir privilegiert sind und sind sehr dankbar dafür.
M: Und wir nehmen uns selbst nicht so wichtig, wollen auf Augenhöhe mit unseren Zuschauern agieren. Sowohl auf, als auch neben der Bühne. Ich glaube, das ergibt insgesamt auch seinen Teil zur Wohlfühlatmosphäre.
T: Das ist ja eine der schönsten Facetten unserer Arbeit: Man trifft immer sehr viele andere Menschen, schließt neue Bekanntschaften. Auch ein Privileg!
G: Das Wichtigste fehlt noch. Wir haben einfach immer noch einen brutalen Spaß daran, live auf der Bühne zu spielen. Ich liebe mein Instrument, ich liebe es meine Mitstreiter und das Publikum zu beobachten. Das wird sich, glaube ich, auch nie ändern.
Ok, das waren jetzt die Antworten für Gala und Bunte. Und nun die Wahrheit: Wieviel Therapeuten habt ihr in 40 Jahren schon verschlissen?
G: Äh, also meine Frau ist Therapeutin … (großes Gelächter).
D: Sowieso ’ne gern genommene Kombi: Musiker mit Partnerinnen aus dem sozialen Bereich. Oder Lehrerinnen …
T: Physiotherapeutinnen, Hörgeräteakustikerinnen …
G: Denkt mal den Umkehrschluss! Es gibt so viele Musiktherapeuten. Sind wir ehrlich, wir therapieren uns quasi jeden Abend auf der Bühne selbst!
M: Ich gebe da dem Golo absolut recht. Wie oft fühlst du dich nicht gut, bis gestresst oder krank. Aber auf der Bühne geht’s dir dann gut. Boppins als Self-Therapy.
War es damals einfacher als heute, den Schritt in die Berufsmusik zu gehen?
G: Wahrscheinlich kannst du nie planen. Wir haben uns anfänglich durch die Pubs gespielt und das hat sich dann einfach lawinenartig entwickelt.
D: Ehrlicherweise gab es vor 40 Jahren aber auch noch nicht so viele Bands wie heute und die gesamte Konzertlandschaft war eine andere.
G: Und es gab noch keinen Thomann, wo man sich für sehr wenig Geld ein Instrument zulegen kann. Nach dem Motto: „Ich kann 3 Akkorde, ich mach jetzt ’ne Rock ’n’ Roll-Band auf.“
© Till Benzin
Boppin’B
Kannst du mehr?
(großes Gelächter)
G: Hallo? Vier!
T: Was man auch sagen muss, wir hatten sehr großes Glück damit, dass wir damals Bock hatten, diese Art von Musik zu machen. Das ist auch einer der Gründe für 40 Jahre Boppin’B. Denn du kannst mit ’ner Heavy-Metal-Band schwieriger an dem einen Tag ein Betriebsjubiläum spielen, am anderen Tag ’ne Hochzeit und direkt drauf ein Stadtfest und danach ein großes Festival. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.
Und ihr habt in eurem Genre wahrscheinlich auch nicht so viel Wettbewerb wie beispielsweise im Metal.
M: Oha, täusche dich da mal nicht. Es gibt unfassbar viele Bands in unserem Genre. Aber halt vergleichsweise weniger, die überregional bekannt sind.
D: Die Szene an sich ist halt kleiner. Zum Vergleich, aufs Wacken als größtes Metal-Fest kommen 80.000, das größte Rock ’n’ Roll-Festival Europas hat maximal 5.000 Besucher. Und die Hälfte davon sind selbst passionierte Musiker.
Quasi bei solchen Anlässen immer 50% Musikerpolizei im Publikum? Das ist hart.
G: Stimmt. Aber das nimmt uns nicht den Spaß, ganz im Gegenteil.
Ihr seid bestimmt schon oft gefragt worden, welches das schönste Erlebnis in 40 Jahren war. Ich drehe es mal rum: Was war – außer dem Diebstahl eures kompletten Equipments – das schlimmste, was ihr in 40 Jahren erlebt habt?
G: Wir mussten auf einem Messe-Event mal acht Sets à 35 Minuten spielen, das war wirklich hart. Es hat niemanden interessiert, was wir da machen, es war eine extrem stickige Luft in der Halle, die Rahmenbedingungen waren komisch und die Zeit ist einfach nicht rumgegangen. Das werde ich nie vergessen.
T: Ein, zwei Autobahnstopps bei Minusgraden auf dem Standstreifen inklusive Reifenwechsel und LKWs, die direkt neben dir vorbeidonnern. Braucht kein Mensch.
D: Es gab natürlich auch schon Gigs, wo du schon beim ankommen merkst, dass es heute anstrengend wird. Die Anlage ist jenseits von Gut und Böse, der Chef ein Idiot, der Techniker unfähig oder unmotiviert, schlechtes Essen und ein völlig desinteressiertes Publikum.
Stellt euch mal vor, so etwas würde an einem Wochenende direkt drei Mal hintereinander passieren. Überlegt man sich dann nicht doch mal, ob ein anderer Job auch ganz schön wäre?
G: Nein, denn du weißt ja, dass es spätestens ab dem darauffolgenden Wochenende wieder super wird.
T: Und es ergeben sich auch aus diesen Shows immer neue Möglichkeiten. Wir haben mal in Köln vor sieben Leuten gespielt, unser All-Time-Minusrekord, aber unter diesen sieben Menschen war eine Redakteurin von Harald Schmidt, die uns dann direkt in seine Show gebucht hat. Bei Vivasion von Stefan Raab war es ganz ähnlich. Wichtig ist uns schon immer gewesen, dass wir immer alles geben für die Menschen, die vor der Bühne stehen, Spaß haben und genau so wie wir Gas geben. Ob das nun sieben Leute sind oder 7.000. Das ist völlig egal!
G: Wir erleben noch immer jeden Monat so viele Highlights, dass die wenigen Negativereignisse insgesamt auch überhaupt nicht ins Gewicht fallen.
Womit kann man euch am Auftrittsort wirklich eine Freude machen?
Alle: Gutes Essen und guter Eierlikör!
T: Und ein Mindestmaß an höflichem Umgang. Ein „Hallo, schön dass ihr da seid!“ von Veranstalterseite würde da manchmal schon Wunder wirken. Bekommt man aber leider nicht überall.
Ich gehe davon aus, dass Essen, Eierlikör und gute Laune schon mal passen werden, wenn ihr am 23.8. auf der Sommerbühne euren 40. Geburtstag feiert. Warum wird das auch für eure Besucher die beste Show seit immer?
D: Weil es ein extrem tolles Lineup gibt an diesem Tag und hier möchte ich im Speziellen auch mal auf die großartigen Bands verweisen, die man hier in der Region vielleicht noch nicht so gut kennt, nämlich die DeadBeatz, The Fairytales und FENZL. Unfassbar gute Livebands, auf die wir uns sehr freuen!
T: Weil es einfach ein großes Familienfest wird. Aus diesem Grund werden wir auch nicht die letzte Band des Abends sein, wir wollen nämlich nach unserer Show mit unseren Besuchern im Publikum stehen und die Rodgaus abfeiern.
G: Und natürlich, weil wir alle unsere ehemaligen Frontleute für Specials auf der Bühne haben werden!
Sonst noch was?
D: Ja, tatsächlich. Unsere lieben Kollegen von der Rockabilly Mafia, auch eine nicht ganz unbedeutende Band der Szene, feiert in diesem Jahr auch ihr 40-jähriges Jubiläum. Und bekommen den Kulturpreis ihrer Heimatstadt Elmshorn. Just saying …
