Die Kunsthalle steuert auf ein besonderes Jubiläum zu und rückt damit einen Ort ins Zentrum, der seit einem halben Jahrhundert das kulturelle Selbstverständnis Aschaffenburgs prägt. Das ehemalige Sakralgebäude feiert 2026 sein 50-jähriges Bestehen als Kunsthalle. Im Fokus steht ein Programm, das die historische Tiefe des Hauses ebenso sichtbar macht wie seine Rolle als Impulsgeber für Gegenwartskunst.
Die Geschichte des Hauses beginnt lange vor seiner musealen Bestimmung. Anfang des 17. Jahrhunderts kamen auf Geheiß des Mainzer Erzbischofs die Jesuiten nach Aschaffenburg. In den folgenden Jahren entstanden Kirche und Kollegiengebäude. Nach Auflösung des Ordens und späterer Wiederbesetzung wurde das Areal im 19. Jahrhundert für den Schulbetrieb genutzt. Der Zweite Weltkrieg hinterließ schwere Schäden, die in den Nachkriegsjahren umfassend behoben wurden. Ab 1976 öffnete die ehemalige Jesuitenkirche dann erstmals als Ausstellungshaus, ab 1990 als städtische Kunsthalle, die seither den Dialog zwischen Moderne und Gegenwart fortführt.
Im Jubiläumsjahr rückt die Kunsthalle ihre besondere Stellung im Stadtraum und im kulturellen Gefüge deutlicher denn je ins Licht. Die aktuell laufende Ausstellung „Johannes Grützke. Der Menschenmaler“ umfasst mehr als 50 Arbeiten und eröffnet eine Begegnung mit einem Künstler, der die Figur gegen alle Trends der Abstraktion behauptete. Grützke formte eine Bildwelt, die mit scharfem Witz, eigenwilligen Kompositionsweisen und einer fast szenischen Präsenz das menschliche Dasein seziert. Die Schau befasst sich mit seinem Spätwerk ebenso wie mit früheren Zyklen und macht die selten gezeigte narrative Energie sichtbar, die seine Werke durchdringt.
Ab Frühjahr 2026 folgt die Ausstellung zum Kunstpreis der Stadt Aschaffenburg unter dem Titel „Stufen. Erklimmen – Wachsen“. 13 ausgewählte Positionen greifen das Thema als historische Bewegung, skulpturalen Prozess oder gesellschaftliche Dynamik auf. Jede Arbeit eröffnet einen eigenen Zugang zum Motiv des Aufstiegs, des Wachstums und der Veränderung.
Im Sommer wird eine Auswahl aus dem persönlichen Bestand Dr. Gunther Jaegers gezeigt. Diese Privatsammlung, die über viele Jahre gewachsen ist, umfasst Werke von Künstlern, die in Malerei, Grafik und Objektkunst unverwechselbare Stile entwickelt haben. Die Präsentation legt den Schwerpunkt auf die Spannbreite von figurativen bis hin zu abstrakten Positionen und eröffnet neue Perspektiven auf Arbeiten, die selten öffentlich zu sehen sind.
Den Abschluss des Jubiläums bildet eine große Retrospektive von Christa Näher. Die Überblicksschau widmet sich einer Malerin, die seit den späten 1970er-Jahren konsequent eine eigene Bildsprache verfolgt und Themen wie Körper, Mythos und Innerlichkeit mit intensiver malerischer Ausdruckskraft verbindet.
P.S.: Und auch im Christian Schad Museum ist Großes im Anflug … Ende April öffnet hier eine große internationale Ausstellung ihre Tore. Wer miträtseln möchte, worum es genau geht, dem sei schon mal das FRIZZ-Titelmotiv dieser Ausgabe als Tipp gespoilert.
