Jetzt muss ich doch zwei bis drei Sätze loswerden. Und zwar zum Fußball. Weil das Wehklagen in diesem Land gegenwärtig so laut und die Sorgen noch viel größer sind. Die Bundesliga verkommt nämlich erbärmlich. Hat sich selbst zum Ausbildungsbetrieb degradiert und von der Nationalmannschaft ganz zu schweigen. Rufen alle von den Dächern. 0-2 gegen die Slowaken. Das muss man sich mal vorstellen! In Worten null zu zwei. Gegen die Slowakei. Herrschaftszeiten! Und schau’ ich am Samstag in die Röhre oder in deutsche Stadien, glotz’ ich in die spielerische Leere. Wo sind all die Stars und der Glamour geblieben? Wohin hat sich das Spektakel nur verflüchtigt? Fort. Wie dem Bub seine Kappe. Nach Liverpool, Manchester oder sogar nach Istanbul sind sie gewandert. Und mit ihnen die raffinierten Tricks, die Übersteiger und Tempoläufe. Stattdessen hier biedere Handwerkskunst und Amateurniveau. Wo soll das noch enden, wo ist er hin, der deutsche Fußballstolz? Das Zum-Zunge-Schnalzen? Der Budenzauber? Das feine Hacke-Spitze-Eins-zwei-drei? Wo sind sie geblieben? Die Fritz Walters, Franz Beckenbauers, Jürgen Grabowskis, Toni Kroos, Wolfgang Dremmlers und Jörg Heinrichs dieses Landes? Häh? Wie bitte? Wolfgang Wer-zur-Hölle und Jörg Who-the-Fuck? Genau richtig gelesen. Wolfgang Dremmler und Jörg Heinrich. Ich bin ehrlich. Ich war selbst lediglich ein mittelprächtiger Kicker mit einer Karriere bis zur D-Jugend und danach mit einer Laufbahn mit mehr Lücken als Pokalen gefüllt. Aber auf dem Bolzplatz trage ich das Herz bis heute am rechten Fleck und habe dazu ein Gedächtnis, das sich halbwegs sehen lassen kann. Zumindest was diese Sportart betrifft. Seit über 40 Jahren ist mir der Fußball das liebste Kind der Wettbewerbe. An meine erste WM im Jahr 1982 und an Dino Zoff und Paolo Rossi erinnere ich mich und eben auch an Wolfgang Dremmler. Seines Zeichens deutscher Nationalspieler genau bei dieser WM, bei der wir bis ins Finale rumpelten. Gleichermaßen wie an Jörg Heinrich, der Teil des WM-Kaders 1998 war. Same, same, but different. Was will ich damit sagen? In meinen über vier Dekaden des Fußballfantums waren deutsche Nationalmannschaften immer bestückt mit einfachen Handwerksleuten. Spielern, die den Fußball arbeiteten, nüchtern und nicht im Rausch zelebrierend. Ausnahmen bestätigen die Regel – und gerade deshalb weiter im Text. Seit ich denken kann, war die Bundesliga niemals Top-Adresse in Europa, geschweige denn ein Sammelbecken der Weltstars. Hier spielten treu Alexander Meier und Bernd Cullmann, während Kalle Rummenigge und Günther Netzer in Mailand oder Madrid neue Lieben fanden. Hauptsache Italien eben. Schon immer zogen die Begabten raus in die weite Welt, verdienten dort ein stattliches Sackerl Moneten mehr, während in der Bundesliga der Wind erbarmungslos durch das Waldstadion pfiff. In den 80ern war es Italien und jetzt eben England. Und statt elf Millionen für Rummenigge, winken jetzt eben 90 Millionen für den langen Woltemade. Aber was wäre uns denn lieber? Dass 18 Scheichs oder amerikanische Bitcoin-Milliardäre die Liga übernehmen und die Klubs mit fiesem Geld vollpumpen, anstelle es der Wohlfahrt zu spenden? Was in Anbetracht der gesamtgesellschaftlichen Lage sicherlich vernünftiger wäre. Dann doch lieber Ausbildungsbetrieb, stabile Eintrittspreise und dampfende und furiose Fankurven. Um die uns im Übrigen jeder vernunftbegabte Fußballfan weltweit beneidet. Reden wir also unsere Liga nicht kaputt, nehmen wir mit aufrechter Haltung das Geld und stecken es in vernünftige Nachwuchsarbeit. Dann kommt auch wieder ein EM- oder WM-Finale. Ganz sicher. Ach, nur mal nebenbei: Bereits früher verloren wir Qualifikationsspiele. 1982 und 1983 gegen Nordirland beispielsweise. Sogar mit Karl-Heinz Rummenigge und seinen sexy Knie. Bitte von daher einfach die Nerven behalten, regelmäßig Eintracht Frankfurt oder wegen mir auch ab und an Basketball schauen.
