Hey ihr Bayern. Diesmal sende ich herzliche Grüße. Nur an Euch. Aus der unmittelbaren hessischen Nachbarschaft. Von einem ehemaligen Unterfranken und heutigem Frankfurter. Von Herzen und in alter Verbundenheit. From Hessia with Love sozusagen. Denn wir kommen im Grenzgebiet ja irgendwie doch ganz gut klar miteinander. An Mariä Himmelfahrt beispielsweise brettert ihr zum Shopping nach Frankfurt und wir feiern im Gegenzug Oktoberfest, obwohl wir überhaupt keine Lederhose im Alltag tragen. Wir haben die Skyline und ihr die Biergärten. Ihr braut das Helle und wir keltern den sauersten Apfelwein. Dort der Schweinbraten, hier das Rippchen. Wo der eine den Obatzter vom Teller kratzt, pfeift der andere sich den Handkäs in die Birne. Das Beste aus bundesdeutschen Welten. Wunderbar. Aber jetzt doch mal eine Frage. Unter uns Nachbarn: Seid ihr alle eigentlich noch schön in den Ferien, während ich diese Zeilen schreibe? Prächtig den Ranzen bräunen, während wir hier 50 Kilometer westlich schon wieder knietief in der Arbeit versinken? Schöner kalter Vino in Italia?
Mit zwei Wochen Feriendauer völlig über die Maßen bedacht übrigens.
Oder ein feiner Rosé in Südfrankreich? Smörrebröd in Dänemark? Ja? Und könnt ihr nachvollziehen, dass das den Rest der Republik auch nerven könnte? Oder unter anderem Blickwinkel: Dass andere auch gerne mal die Letzten sein wollen, im alljährlichen Tohuwabohu der Ferienzeit? Weil jetzt schon recht früh im Jahr gefühlt der Sommer rum ist und nur noch der trübe Herbst als erreichbares Etappenziel winkt. Mit zwei Wochen Feriendauer völlig über die Maßen bedacht übrigens. Und die Preise im Juli und August ganz oben stehen, während im September schon die Nebensaison von venezianischen Dächern pfeift. Dazu kommt, dass ihr bereits an Pfingsten das erste Sommer-Warm-Up genießen konntet. Könnt ihr verstehen, dass ein bisschen Abwechslung, Verteilung und jeder darf mal ran, solidarisch und gerecht wäre. Weil die Ernte schon längst nicht mehr vom Nachwuchs eingeholt werden muss und wir alle im Grunde im gleichen Boot sitzen. Okay, okay, vielleicht nicht ganz. Denn unterm Strich ist Bayern doch ein bisschen Gods own Country. Die Berge, die Seen, die feinen Biere, die grünen Wiesen, die schönen Gastwirtschaften, die gesunde Gesichtsfarbe, die hohe Innovationskraft, die stabile Wirtschaft, die tollen Würste, glückliche Kinder, noch glücklichere Kühe, die vielen deutschen Meisterschaften. Dazu Audi und BMW.
Dafür will besonders ich mich als geborener Bayer und jetziger Exil-Hesse aufrichtig bedanken.
Heiland der Welt, ich komm aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Da schaut selbst der dritte Nachbar Baden-Württemberg neidisch, poliert den Daimler-Stern und zählt korrekt das Kleingeld. „Mia san Mia“ als Lebensgefühl und Oberschenkeltattoo. Und weil das alles so gut läuft, hilft Bayern bereits an allen Ecken und Enden und wo es nur kann. Länderfinanzausgleich und überhaupt. Dafür will besonders ich mich als geborener Bayer und jetziger Exil-Hesse aufrichtig bedanken. Ihr habt mich nicht vergessen. Überhaupt: Wo wäre denn der Rest des Landes ohne Bayern? Eben. Das ist euch bewusst und genug Menschen zwischen Aschaffenburg und Garmisch und insbesondere der Ministerpräsident Söder wissen: Deutschland kann nicht ohne Bayern, aber Bayern könnte notfalls ohne Deutschland. Doch jetzt unter uns. Wo fangen wir denn da an und wo hören wir wieder auf? Frankfurt und Rhein-Main könnte im Zweifel auch ohne Nordhessen oder den Vogelsberg. Und die Eintracht wird weltweit um seine Fans beneidet. Da ist die Bayern-Schickeria eine lahme Vorhofbande dagegen. Aber machen wir deshalb immer auf einen Dicken? Nein. Wir Frankfurter kümmern uns um die Junkies der Republik, organisieren alle Flugrouten in die Welt, halten im Finanzmarkt die Stellung und bauen die höchsten Türme im Land. So sind wir! Und deshalb habe ich eine Bitte. Denkt mal drüber nach. Alle 5 Jahre dürfen wir an Pfingsten los und ihr wisst derweil mit zwei Wochen Herbstferien nichts Richtiges anzufangen. Abgemacht? Das Leben ist ein Geben und Nehmen. Mal frisst du den Bären, mal frisst der Bär dich. Irgendwann und irgendwo braucht ihr uns, da bin ich mir sicher.
