Hey, wir Männer, jetzt bin ich doch von den ungewaschenen Socken und recht ratlos. Hat uns eigentlich jemand ins Hirn gekackt? Aber komplett das ganze Oberstübchen randvoll. Auf welche kranke Ideen kommen wir denn noch. Ich schreibe hier gerne mal im „Wir“, vielleicht kann auch ich am Ende nicht sicherstellen, dass bei mir im Schaltkasten alle Kreise richtig gesetzt sind. Man steckt ja nie ganz drin. Deshalb lass’ ich gerne mal Vorsicht walten. Doch um nicht abzulenken – noch habe ich mir nämlich nichts zuschulden kommen lassen – zurück zum Thema: Welche üblen Fantasien schießen uns denn in unsere weich gekochten Birnen. Wenn der Tag lang und die Männlichkeit wahrscheinlich doch toxisch und irgendwie im Jahr 2026 auf ziemlich verlorenem Posten zu stehen scheint. Erst Lindemann, Rammstein und die Row Zero, dann der völlig missratene Franzose, dazu die Eppstein-Files samt dem ganzen abscheulichen Morast und zu allem Elend jetzt Christian Ulmen. Mit einem digitalen Deepfake der ganz perfiden Art. Der Christian Ulmen übrigens, über den ich bis vor kurzem herrlich gelacht habe, weil ich dachte, er sei einer von uns. Auf den ich jetzt aber so ausreichend kotzen möchte bis die Speiseröhre brennt.
Leute, Leute, jetzt bleibt der Ball besser mal gehörig flach auf dem Spielfeld.
Nur leider kotzt nicht jeder um mich herum ausschließlich. Stattdessen kommen schnurstracks irgendwelche Dünnbrettbohrer – in der Regel leider immer Männer – sofort mit der Unschuldsvermutung um die Ecke. Also ob gerade nichts anderes angesagt wäre. Leute, Leute, jetzt bleibt der Ball besser mal gehörig flach auf dem Spielfeld. Die Unschuldsvermutung lassen wir bei dieser Sachlage ordentlich in der Kiste der vergessenen Männerkräfte und halten im Gegenzug allesamt inne und das große Maul. Und ziehen uns zur Erleuchtung ein paar Statistiken rein. Zur häuslichen Gewalt, zu Vergewaltigungen, schauen uns die Kriegstreiber und alle Kneipenschläger an. Hhmm, klingelt es ganz oben im Muskelpudding? Genau richtig. Leider zetteln immer wieder wir Männer diesen ganzen Kram an und sind ganz vorne dabei, wenn es um das ganze Übel geht. Zahlen, Daten, Fakten! Die lügen selten. Das sollte selbst den hartnäckigsten unter den Schwachköpfen einleuchten. Also Klappe halten, stupid! Und bevor jetzt alle testosterongeschwängerten Moschusochsen um die Ecke kommen und mir vorwerfen, ich solle mal mit dem woken Bullshit aufhören: Ich bin sehr gerne Mann. Tatsächlich.
Alle mal an die eigene Nase fassen und das eigene Verhalten reflektieren.
Ich mag viele Dinge an uns Männern und finde, wir haben tolle Seiten. Wir sind witzig, uns wachsen schöne Bärte und wir haben herrliche Ecken und Kanten. Aber dabei will ich gerade im Frühjahr 2026 fürs erste einmal belassen. Und höre dafür von Propagandhi „Refusing to be a man“ und denke nach. Auch wenn ich es gar nicht bereue ein Mann zu sein. Ich bin sogar viel lieber Mann als Frau. Aber aufgepasst: „Don’t tell me this is natural, this is nurturing. I had different desires prior to my role-remodeling”. Alle mal an die eigene Nase fassen und das eigene Verhalten reflektieren. In der Bar, im Büro und auf der Herrenfreizeit. Ja? Und ab sofort den Mund aufmachen, wenn der Kollege schlechte Witze über Frauen macht, das andere Geschlecht in der Disco penetriert und permanent ein unnötiges Lattenmessen aus der Hose holt. Stattdessen den Ball zurückspielen, entspannt ein Bier trinken und die Sache in die richtigen Koordinaten holen. Wenn uns das über alle Länder und Kulturen gelingt, dann hätten wir allesamt eine echte Chance auf ein friedfertiges Miteinander. Den Männern gehören weder die Welt noch die Frauen. Kapiert? Doch solange Rammstein weiterhin Konzerte spielen, Merch verkaufen und die Show am Laufen halten, solange die Eppstein-Freunde nicht im Knast schmoren und Männer als erstes mit der Unschuldsvermutung um die Ecke kommen, gibt es nur begrenzt Grund zur Hoffnung. Wie gesagt, ich bin von den ungewaschenen Socken und einigermaßen ratlos.
