Vor ein paar Wochen war ich auf einer Veranstaltung, bei der es ausschließlich Hafermilch zum Kaffee gab. Die aber dafür in den verschiedensten Variationen. Sonst nichts. Noch nicht einmal Kondensmilch oder Milchpulver. Die völlig fundamentalen Klimaschützer und Zeitgeist-Hipster unter den Lesern mögen nun vor Freude in die Hände klatschen, juchzen, zur Feier des Tages eine Flasche unfiltrierten Rotwein aus eigenem Anbau köpfen und mir ekstatisch zurufen „Siehste mal, Du Ewiggestriger, endlich kapiert das jemand in diesem bornierten Land!“ Ich muss hier allerdings schnell einlenken. Denn zum einen bin ich kein Ewiggestriger und zum anderen muss ich gar nichts kapieren, denn selbst im größten Klimafiasko wie im abgedroschenen Berliner Szenecafé in Mitte stelle ich weiterhin und trotz aller Krise und Trend herrlich rückwärtsgewandt fest: Hafermilch im Kaffee schmeckt brav und fad wie ein Paar eingeschlafene Füße und ist damit so langweilig wie eine Samstagabend-Moderation von Jörg Pilawa. Also weder sonderlich sexy noch annähernd restlos überzeugend. Da könnt ihr Hafer-Baristas für eure Editionen die Tunke noch so zum Schäumen bringen und freshe Logos auf die Tetra-Packungen werfen. Es ist am Ende trinkbar wie alkoholfreier Sekt oder Gurken-Saft. Es erfüllt somit einen gewissen Zweck, Kaffee-mit-Milch-Genuss schmeckt in meiner Welt allerdings völlig anders. Warum in Gottes Namen bekomme ich auf dieser Konferenz dann nicht wenigstens ein kleines Kännchen stinknormale Milch? Ich will doch nur, dass mir mein Kaffee schmeckt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Diese Freiheit der Wahl hätte ich ausnahmsweise und ganz ehrlich noch gerne. Ich habe vor Kurzem einen Faktencheck bei uns zuhause gemacht. Wir brauchen in einer Woche über den dicken Daumen gepeilt gerade mal einen Liter Vollmilch, wenn es dumm läuft oder wir Besuch bekommen vielleicht zwei. Ich behaupte, das ist ein exzellenter Schnitt und trägt deutlich zur Klimaneutralität bei. Wir trinken Milch ausschließlich im Kaffee, schütten uns den Trunk aus dem Euter also nicht eimerweise und aus Langeweile in den Schlund. Uns ist somit mehr als bewusst, dass hier mit ein wenig Zurückhaltung konsumiert werden sollte. Unsere Kinder sind eh schon meilenweit weg von dem Zeug, denn von Milch müssen sie immer scheußlich pupsen. Das wird ihnen selbst schon langsam peinlich. Was im Übrigen ein großer Beweis ist, dass der menschliche Magen und die Milch nicht grenzenlos zueinander gehören und Kampagnen aus den 90ern wie „Die Milch macht’s“ somit ausgegorener Bockmist waren. Denn auch mit fehlender Milch werden Kinder groß und stark. Und das sogar, ohne dabei permanent zu furzen. Ich befürchte allerdings, dass die Person, die sich fürs Catering verantwortlich gezeigt hat, eine hinterlistige und engstirnige Aktivistin war, die uns allen vorschreiben will, was wir bis in die letzte Ritze zu tun und zu lassen haben. Ich glaube ja, in dieser Disziplin ist das der völlig falsche Weg, denn Achtung, jetzt kommt die entscheidende Gabelung, an der sich die Wege trennen. Öl und Gas sind endlich, bringen uns in üble Abhängigkeiten und versauen uns die Zukunft. Die Milch als solches dagegen ist längst nicht der Totengräber unseres desolaten Klimas. Unter vernünftigen Bedingungen produziert und in Maßen genossen, gehört die Milch dazu und ist zumindest an meinem Tisch der Genüsse gern gesehener Gast. Stattdessen werde ich zugeschissen mit Mandel-, Hafer- und Sojadrinks, bis die Geschmacksnerven schlummern. Nur mal so: Das Thema würde sich erledigen, würde der Liter Milch 3 Euro Achtzig kosten. Davon könnte Bauer samt Kuh glücklich werden und mein Kaffee wäre auch ok. Damit wir uns richtig verstehen: Ich bin der festen Überzeugung, dass wir kein Grundrecht auf die jährliche Flugreise, auf Öl- und Gasheizung oder am Ende sogar auf den Verbrennermotor haben. Aber solange Hafermilch schmeckt wie ein Nachmittagsbesuch bei Tante Erika im Westerngrund, muss ein Kännchen Milch noch drin sein. Das hält jedes Klima aus. Ganz sicher!
