Ist das Kunst oder kann das weg? Heutzutage wird man geradezu überschüttet mit medialen Angeboten. Seien es drölf verschiedene Streamingdienste in nahezu jedem Bereich oder tausende selbst ernannte Meisterliteraten, die meinen, sie seien der nächste Tolkien. Wer soll bei dieser Reizüberflutung noch durchblicken? Und genau an dieser Stelle kommt der hauseigene FRIZZ-Volontär ins Spiel …
Das grundlegende Prinzip
Jeden Monat picke ich von mir bereits konsumierte mediale Güter heraus, die ich empfehlenswert finde und philosophiere humoristisch, aber auch analytisch über deren Grundzüge, rezensiere die Handlung und spezifische Merkmale, die sie als besonders machen. Inbegriffen sind die Rubriken Film, Serie, Musik und Literatur. Die Kategorien orientieren sich also am Konzept des FRIZZ. Nur halte ich mich nicht daran, ausschließlich kommende Veröffentlichungen zu besprechen. Vielmehr soll es eine Sammlung subjektiver Schätze – egal ob 100, 50, 20 oder zehn Jahre alt – sein.
Die Kunst zu gewinnen – Moneyball
Wie perfektioniert man die Performance der eigens gemanagten und stark gebeutelten Baseballmannschaft Oakland Athletics? Man schnappt sich einen zahlenverliebten Yale-Absolventen und durchsiebt die Liga nach Spielern, die vor allem aufgrund ihrer numerischen Statistik zuverlässige Punktesammler sind, obwohl sie wegen konventioneller Scoutingverfahren sonst unterm MLB-Radar fliegen. Das Ergebnis: Eine wild zusammengewürfelte Mannschaftstruktur, deren merkwürdige Einzelakteure nach anfänglichen Startschwierigkeiten eine überragende und langanhaltende Siegesserie aufbauen können. Die Romanverfilmung beruht mit der Saisonleistung 2002/2003 der Oakland Atheltics auf wahren Begebenheiten und bietet selbst für komplette Neulinge spannendes Entertainment. Nicht zuletzt, weil der Gros der Handlung neben dem Platz und hinter den Kulissen spielt.
The Office
Der aufmerksame Leser wird erkannt haben, dass ich ein großer Fan der Erzählform „Mockumentary“ bin. Sprich, es wird eine Fake-Dokumentation über ein bestimmtes gesellschaftliches Konstrukt gedreht, in der die Kamera Teil der Erzählung ist und mit der – beispielsweise bei Interviews – von den gespielten Rollen interagiert wird. So auch in den Büroräumlichkeiten des Papierherstellers und -verkäufers Dunder Mifflin in dessen Sitz in der amerikanischen Kleinstadt Scranton. Im Vordergrund der neun Staffeln steht vor allem anderen die Dynamik der Mitarbeiter im kleinen Firmensitz, dessen örtlicher Manager Michael versucht, seine vermeintliche Inkompetenz durch kindische Witze und Albernheiten zu überspielen. Außerdem nimmt die Liebesbeziehung des Vertrieblers Jim und der Anmeldedame Pam eine übergeordnete Rolle ein. Ja. Klingt wie Stromberg. Fungierte auch tatsächlich als Inspiration dafür. Empfehlung: Sollte man dem Englischen mächtig sein, sollte man die Serie im Originalton schauen und sich Untertitel als Hilfe dazuschalten. Die deutsche Synchro untergräbt viele Witze und den Charme der Charaktere.
The Naked and Famous – Passive Me, Aggressive You
Sommer 2011. Ich packe meinen allerersten iPod Touch aus. Aus Ermangelung an eigenen CDs und Zugang zu Gutscheinkarten, mit denen ich meinen iTunes-Account aufladen könnte, stöbere ich durch die Sammlung meines ältesten Bruders. Da ich bis dato selbst kaum einen eigenen Musikgeschmack entwickelt hatte, habe ich einfach mal alle LPs mit coolaussehenden Covern auf mein Gerät geladen. Zack. Erledigt. Schließlich kann man auf dem Weg zur Schule oder nachhause nicht durchgehend Doodle Jump, Fruit Ninja oder Angry Birds spielen. Man will ja auch nicht vor versammelter Mannschaft in den Bus kotzen. Auch wenn sich nicht sämtliche Songs oder Alben im Nachhinein als für mich passend herausgestellt haben, kreierten The Naked and Famous mit ihrer anderthalb Jahre zuvor erschienenen Platte nachhaltig meinen Hang zu Electro, Alternative und Indie.
Erebos
In Nicks Schule wird eine mysteriöse CD herumgereicht. Als er sie von seiner Mitschülerin erhält, und zuhause in seinen Computer schiebt, weiß er noch nicht, was alles auf ihn zukommt. Zunächst wird er in den Charaktereditor eines Computer-Fantasy-Rollenspiels geworfen und muss das Tutorial überstehen. Schnell wird klar, dass das Spiel intensiver, fesselnder und bindender ist als alles, was Nick zuvor gezockt hat. Spätestens als er im Spiel Aufgaben erhält, die er im echten Leben erledigen muss, um wieder in die süchtigmachende Welt Erebos eintauchen zu dürfen, ahnt er, dass noch viel mehr hinter dem Spiel steckt als grandiose Programmierarbeit. Der Roman von Ursual Poznanski war meine Deutschlektüre in der siebten Klasse. Und obwohl meine Lehrerin selbst begeisterte Gamerin war, suchte sie den spannenden Text aus, weil es sich um grandiose Jugendliteratur handelt, die selbst im Erwachsenenalter noch begeistert.
