In Zeiten, in denen gesellschaftliche Debatten oft von Abgrenzung und Misstrauen geprägt sind, braucht es Orte, an denen das Gegenteil gelebt wird. Genau das passiert vom 17. bis 19. Juli wieder auf dem Aschaffenburger Volksfestplatz.
Wer das Fest kennt, weiß, worauf man sich Jahr für Jahr freuen kann. Auch 2026 steht wieder ein Wochenende voller Musik, bunter Kultur, abwechslungsreicher Kulinarik und Begegnungen, die im Alltag selten zustande kommen, im Vordergrund. Und doch ist nichts wie im Jahr davor. Das aktuelle Motto bringt es auf den Punkt: Zukunft kann erst durch Wandel entstehen und der gelingt am besten, wenn er nicht nur ausgehalten, sondern aktiv gestaltet wird.
Dass Vielfalt gefeiert wird, ist in Aschaffenburg fast schon Tradition, doch hinter dem Event steckt mehr als nur gute Stimmung. Es ist ein klares Statement dafür, dass es bei gelebter Teilhabe um kein nettes Extra, sondern um eine wichtige gesellschaftliche Grundlage geht, die immer wieder verteidigt werden muss, weil sie leider keine Selbstverständlichkeit ist. Wer hinschaut, zuhört und sich selbst und damit Räume öffnet, trägt diese Grundlage mit und genau darum geht es hier.
Das Programm findet auch dieses Jahr nicht nur auf der Schlossbühne und im Jugendbereich Youniverse statt, sondern wird unter anderem durch Walking-Acts wie dem Aschaffenburger Kneipenchor und dem Chor der Omas gegen Rechts über den gesamten Platz getragen. Kreativwerkstätten laden zum Mitmachen ein; wer lieber in
Fest für Vielfalt
Bewegung bleibt, kommt bei den zahlreichen Tanzangeboten auf seine Kosten: DJ-Sets des Working-Title Kollektivs und DJ Böller bringen neben diversen Workshops zu Bollywood, Bauchtanz und weiteren Formaten unterschiedlichste Stile auf die Fläche. Außerdem stehen auf der Schlossbühne inklusive Programmpunkte wie die Tanzgruppe In Motion oder die Kooperation der Sandrosen und Mainfunken im Mittelpunkt und auch modisch wird Haltung gezeigt: Bei „One World, One Love“ präsentiert eine Progressive-Fashion-Show, wie Vielfalt sich in Kleidung und Style übersetzen lässt. Auch auf den Dialog und das Fördern von Verständnis für unterschiedliche Lebensrealitäten wird wieder besonderen Wert gelegt, weshalb es diverse Angebote zur Gebärdensprache und zum Leben mit Gehörlosigkeit gibt.
Neu in diesem Jahr ist der FLINTA* (Anm. d. Red. Frauen, Lesben, Inter-, Trans- und nicht-binäre Personen sowie Agender-Menschen) Friday im Youniverse, der vom Team der jungen Aschaffenburger Konzertreihe FLINTA*-Sounds organisiert wird. Mit einem Mix aus den akustischen Klängen der Singer/Songwriterin Joudi, Pop von Anika und Folk/Americana von Morgika startet der Abend, den DJ Naddlnitro ab 22 Uhr mit einem bunten Mix zum Tanzen und Mitsingen abrundet. Parallel finden Workshop Angebote wie Song- und Creativewriting statt. Damit sich alle auf dem Festgelände sicher und wohl fühlen, gestaltet FLINTA*-Sounds dieses Jahr zusätzlich ein Awareness-Konzept, das während des gesamten Wochenendes für ein respektvolles Miteinander auf dem Fest sorgt.
Nach den vergangenen, von Corona geprägten Jahren rückt das Fest insgesamt wieder etwas enger zusammen und fällt kompakter aus als früher. Dafür sind alle bekannten Gruppen wieder am Start und werden sogar um zwei Rückkehrer bereichert, die nach einer Pause wieder teilnehmen. Im vergangenen Jahr hat das FfV nach einer städtischen Debatte um Jugendkultur eine Umstrukturierung erlebt, um noch mehr zum Selbsterfahrungsraum zu werden, in dem sich junge Menschen aktiv ausprobieren und einbringen können. Entstanden ist das Youniverse – ein beliebter Bereich, der das Fest noch stärker an jüngere Besucherinnen und Besucher heranrücken soll.
Fest für Vielfalt
Eine zentrale Rolle spielt dabei der Stadtjugendring Aschaffenburg, dessen Vorstand um die Vorsitzende Katharina Ziegler sich mit viel Energie einbringt und das Fest für Vielfalt maßgeblich mitgestaltet. Unter dem Motto „Jugendarbeit verbindet“ gestaltet der Stadtjugendring gemeinsam mit seinen Jugendverbänden ein Gemeinschaftszelt, das in diesem Jahr Teil des Youniverse ist, um noch näher an der Jugend dran zu sein, das Team von Radio Klangbrett – Aschaffenburgs Jugendradio – moderiert auf allen Bühnen und auch der BDKJ steuert mit einem Escape-Room-Spiel zum Thema Demokratie ein Format bei, das Mitbestimmung und Zusammenhalt nicht nur erklärt, sondern für alle Altersgruppen erlebbar macht.
Im Kern bleibt das Fest für Vielfalt immer gleich: ein Ort, an dem Offenheit, Respekt und kultureller Austausch mit allem, was dazu gehört, gelebt werden. Trotzdem ist jede Ausgabe einzigartig, weil jede Begegnung neu ist, jede Geschichte zählt und jeder Gast die Atmosphäre mitgestaltet. Genau das macht es bei aller Kontinuität jedes Jahr wieder zu einem kleinen Wunder.
Am dritten Juliwochenende heißt es deshalb wieder: vorbeikommen, zuhören, mitfeiern und sich daran erinnern, dass Vielfalt keine Frage des Geschmacks, sondern eine Frage der Haltung ist.
