Dieser Text ist eine Pflichtlektüre, denn es geht um nichts anderes als Leben und Tod. Diese Formulierung zum Beitragseinstieg soll nicht übertrieben reißerisch, künstlich schockierend oder anderweitig effekthaschend sein, vielmehr trifft sie schlicht und ergreifend den Nagel auf den Kopf.
Und wenn schon etwas wirklich schockierend ist, dann sind es die folgenden Daten und Fakten: Der plötzliche Herz-Kreislaufstillstand ist auch heute noch eine der häufigsten Todesursachen, genauer gesagt rangiert er mit 50.000 Fällen per anno in dieser unrühmlichen Rangliste auf Platz drei. Besonders bitter daran ist, dass lediglich zehn Prozent der Betroffenen eines Herz- und Kreislaufkollapses diesen überleben, neun von zehn Fällen enden also tödlich. Und das, obwohl Personen, die helfen könnten, fast immer in der direkten Umgebung sind. Ebendiese zukünftig schnell, zuverlässig und unkompliziert zu erreichen ist das Anliegen des Vereins „Region der Lebensretter“.
Denn im Fall der Fälle zählt jede Sekunde und Minute, schließlich ist der Herz-Kreislaufstillstand einer der zeitkritischsten und lebensbedrohlichen Notfälle. Wird der Patient innerhalb von drei bis maximal fünf Minuten reanimiert, stehen die Chancen auf ein Überleben sogar relativ gut. Trifft die Hilfe später ein, können die Betroffenen überleben, allerdings in der Regel mit bleibenden und nicht selten schweren (Folge-)Schäden. Wer nicht reanimiert wird, stirbt. So einfach und so schlimm ist das.
Das große Problem – auch hier in Deutschland: Der Rettungsdienst braucht im Durchschnitt zwischen acht und 15 Minuten, um beim Patienten einzutreffen. Und wer bis hierhin aufmerksam gelesenen hat, weiß, dass da in der Rettungszeitschiene beim Herz-Kreislaufstillstand etwas nicht passen kann.
Aschaffenburg – Ab sofort eine Region der Lebensretter!
Um hier sinnvoll entgegenzusteuern und diese Lücke bestmöglich zu schließen, wird nach einem Beschluss des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Bayerischer Untermain (ZRF) in der Stadt Aschaffenburg sowie den Landkreisen Aschaffenburg und Miltenberg die Lebensretter-App der Initiative „Region der Lebensretter e. V.“ eingeführt. Mithilfe dieser App kann die Integrierte Leitstelle Bayerischer Untermain bei einem Herz-Kreislaufstillstand die registrierten Ersthelfenden über Smartphone in der unmittelbaren Nähe des Notfalls orten und alarmieren. Die qualifizierten Retter, die im besten Fall in den ersten drei bis fünf Minuten eintreffen, können die Überlebenschance der Patienten verdoppeln bis vervierfachen.
So funktioniert’s
Seit 2018 hat „Region der Lebensretter“ dieses App-basierte System etabliert, durch das – seriösen Berechnungen zufolge – jährlich bis zu 10.000 Leben gerettet werden können. Die Funktionsweise ist so einfach wie genial: Geeignete Ersthelfer können sich kostenfrei in der App registrieren und Zusatzinformationen hinterlegen, über welche Fortbewegungs- oder weitere Hilfsmittel sie beispielsweise für den Einsatz verfügen. Im Fall eines Notrufs über die 112 wird bei einem Herz-Kreislaufstillstand das System der RdL automatisch aktiviert, sodass die registrierten und professionellen Ersthelfer, die sich in der Nähe des Notfalls befinden, über die App einen Voralarm erhalten. Das System wählt dabei automatisch die Vier aus, die am schnellsten und – in der Regel – vor dem Rettungsdienst eintreffen können, um mit den lebenserhaltenden Maßnahmen direkt beginnen zu können. Schließlich geht es um jede Minute. Dabei bedient sich die von FirstAED entwickelte App intelligenter Algorithmen, die über die Auswahl der Ersthelfenden, die Aufgabenzuteilung und das Routing entscheiden: Sie wählen die Lebensretter auf der Basis ihres Standorts, ihrer Entfernung zum Notfallort und dem von ihnen benutzen Verkehrsmittel (zu Fuß, mit Fahrrad oder Auto) aus. Dazu kommen eine optimale Aufgabenverteilung und die intelligente Einbindung der in der internen Datenbank gelisteten, öffentlich zugänglichen und verfügbaren Defibrillatoren.
Wer kann mitmachen?
Ein wichtiger Aspekt hierbei ist, dass sich bei der „Region der Lebensretter“ nur solche Ersthelfer registrieren können, die eine qualitativ hochwertige und leitliniengerechte Reanimation gewährleisten können. Daher sind für die Registrierung eine medizinische Grundqualifikation, Einsatzerfahrung und regelmäßiges Training notwendig. Dementsprechend werden über die Lebensretter-App nur volljährige und medizinisch geschulte Ersthelfer zu den Einsatzorten alarmiert und sind, wie oben beschrieben, nie alleine am Einsatzort, um sich bestmöglich aufteilen oder bei der Reanimation abwechseln zu können. Die Eignung wird durch die jeweiligen Regionen- oder Orga-Admins im Registrierungsverfahren geprüft.
Zudem unterstützt die „Region der Lebensretter“-Initiative kontinuierlich alle Ersthelfer bei technischen, medizinischen wie auch organisatorischen Fragen und bietet obendrein psychosoziale Unterstützung nach besonders fordernden Einsätzen an.
Beeindruckende Zahlen eines tollen Projekts
Bundesweit haben sich aktuell bereits knapp 45.000 Lebensretter in der App registriert und wurden 2025 zu etwas über 19.000 Einsätzen alarmiert. Dabei konnten die Freiwilligen im Durchschnitt bereits nach etwas über drei Minuten am Einsatzort sein und mit der Reanimation beginnen, was einen wirklich beachtlichen Wert darstellt und die Wirksamkeit der App eindrucksvoll unterstreicht. Auch toll: Durch die Arbeit und das Engagement der „Region der Lebensretter“ konnten bundesweit zudem knapp 13.000 zusätzliche Defibrillatoren an unterschiedlichsten Punkten installiert werden, die die Arbeit eines jeden Ersthelfers im Notfall zielführend unterstützen können. Der Ausbau der Defi-Standorte im gesamten Bundesgebiet ist nämlich ein weiterer Schwerpunkt der ehrenamtlichen Arbeit der Initiatoren des Projekts.
Wer helfen will, aber nicht über die notwendigen Qualifikationen verfügt, kann gerne einfach für dieses wichtige Projekt spenden. Alle Infos sind leicht auf der RdL-Website zu finden.
