Beim diesjährigen Gestaltungswettbewerb zu den Aschaffenburger Kulturtagen räumen Mia Geis und Levent Akkus die ersten beiden Preise ab. Beide besuchen dieselbe Klasse am Hanns-Seidel-Gymnasium in Hösbach. Ist das HSG eine künstlerische Talentschmiede für die Picassos und Kahlos von morgen? FRIZZ hat vor Ort nachgeforscht.
„Ich wusste von dem Wettbewerb und habe die Aufgabe in meinen Kunstunterricht in der 11. Klasse integriert“, lautet die lapidare Antwort von Bernd Dörig, der am Hanns-Seidel-Gymnasium Kunsterziehung lehrt. „Die Schülerinnen und Schüler waren also verpflichtet, diese feste Aufgabe zu bearbeiten und haben dafür auch eine Note bekommen – die Teilnahme am Wettbewerb aber war ihnen natürlich freigestellt.“
Zur Vorgeschichte: Das Kulturamt der Stadt Aschaffenburg hatte – wie auch in den letzten Jahren – einen Wettbewerb zur Gestaltung des Keyvisual-Motivs für die Aschaffenburger Kulturtage ausgerufen. In diesem Jahr steht die Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Schere. Stein. Papier. – 125 Jahre Damm“. Und genau das war dann auch das Thema für die Arbeiten in Dörigs 11. Klasse. „Das passte auch gut in den Lehrplan. Dieser gibt vor, dass die Lernenden das Zusammenspiel von Architektur, Mensch und Natur untersuchen und ihre Erkenntnisse in eigene bildnerische Konzepte überführen“, sagt Dörig.
AKT Gewinnermotive
Als Einstieg erklärte Dörig die wesentlichen Aspekte eines Keyvisual-Konzeptes und gab Tipps zur Technik und Herangehensweise. Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten dann über vier Doppelstunden intensiv an der Entwicklung ihrer Motive. Dabei entstanden 27 sehr unterschiedliche, kreative Entwürfe.
„Ich sah mich hier mehr als sonst als Coach, als Berater und Unterstützer im kreativen Prozess. Wir haben die Entwürfe auf einer digitalen Pinnwand zur Diskussion gestellt, im Unterricht Varianten besprochen und bewusst zum Hinterfragen der ersten Ideen angeregt. Dabei kamen auch Kreativitätstechniken wie negatives Brainstorming oder die 6-3-5-Methode zum Einsatz. Viele der Entwürfe sahen am Anfang auch anders aus, manchen fehlte die Balance der drei Aspekte Schere, Stein, Papier, die ja gleichwertige Elemente sein sollten“, erklärt Dörig die Vorgehensweise.
Und so startete der kreative Prozess. Zwei Drittel der Arbeiten wurden digital angefertigt und davon die eine Hälfte rein digital und die andere Hälfte auf der Basis von Fotografien. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Am Ende schafften es drei Schülerarbeiten in eine Auswahl von insgesamt vier Entwürfen in das Onlinevoting. An der öffentlichen Abstimmung darüber, welcher Entwurf als Sieger die 27. Aschaffenburger Kulturtage repräsentieren wird, nahmen 960 Personen teil. Das Motiv von Levent Akkus ging mit deutlichem Abstand als Gewinner hervor und erreichte mit 370 Stimmen den ersten Platz. Laut Kulturamt wurde das Motto „klar und konsequent umgesetzt. Zugleich stellt das Bild einen gelungenen Bezug zum Jubiläum des Stadtteils Damm und dessen bedeutenden Industriezweigen her.“ Auf den zweiten Platz wurde mit 296 Stimmen der Entwurf von Mia Geis gewählt, in dem eine Schere vor der Kulisse von Schloss Johannisburg Papier schneidet.
Bernd Dörig zeigt sich begeistert vom Prozess und seiner Rolle als Berater und Coach: „Die Schülerinnen und Schüler hatten die Chance, sich mit Profis zu messen und in die reale Welt hineinzuschnuppern im Sinne von: Schule trifft auf Realität. Die erlernten Fertigkeiten zeigen, dass sowohl Ideenreichtum, also Kreativität als auch das Know-how vermittelt werden. Vielleicht ergibt sich ja daraus sogar ein Berufswunsch.“
Und natürlich ist Dörig auch sehr zufrieden mit dem Erfolg beim Wettbewerb. Er sieht darin eine geniale Möglichkeit für seine Schule. Der Wettbewerb biete eine andere Plattform und bringe zudem Öffentlichkeit und Schulfamilie zusammen. Das sei wiederum motivierend für andere, künstlerisch tätig zu werden.
Und was künstlerisches Schaffen bedeuten kann – diese Schlussworte gebühren Levent Akkus als Wettbewerbsgewinner: Für ihn ist es die „absolute Freiheit, Gedanken und Emotionen eine Form zu geben, für die es keine Worte gibt.“ Die allerletzten Worte lassen wir uns dann doch nicht nehmen: Herzlichen Glückwunsch!
Levent Akkus
Hobbys: In meiner Freizeit findet man mich entweder auf der Matte beim Kampfsport oder mit dem Stift in der Hand. Für mich ist das kein Gegensatz, sondern die perfekte Ergänzung. Der Sport gibt mir die nötige Disziplin, während die Kunst der Ort ist, an dem ich meinen Gedanken freien Lauf lassen kann. Ich liebe es, ständig an meiner Technik zu feilen, egal ob beim Training oder an einer neuen Skizze.
Ich habe am Wettbewerb teilgenommen, weil: Er Teil unseres Kunstunterrichts war.
Künstlerisch tätig sein bedeutet für mich: Die absolute Freiheit, Gedanken und Emotionen eine Form zu geben, für die es keine Worte gibt. Dabei spielt es keine Rolle, um welches Medium es sich handelt. Kunst ist für mich der Prozess, eine innere Welt nach außen zu kehren.
Mein Lieblingskünstler ist: Xie Lei. Mich beeindruckt, wie er in seinen Werken eine rätselhafte Melancholie einfängt. Seine Fähigkeit, tiefe menschliche Emotionen und psychologische Zustände durch eine fast traumartige Bildsprache darzustellen, ist für mich eine große Inspiration.
Dieses Museum möchte ich unbedingt einmal besuchen: Das Albertina Museum in Wien. Besonders die Verbindung von klassischen Meisterwerken und moderner, emotionaler Kunst in der Albertina Modern ist für mich sehr ansprechend.
Bei den Aschaffenburger Kulturtagen werde ich nicht verpassen: Ganz klar die Museumsnacht am 11. Juli
Mia Geis
Wohnort: Rothenbuch
Hobbys: Tischtennnis, Snowboardfahren und mit Freunden treffen
Ich habe am Wettbewerb teilgenommen, weil: Wir ihn in der Schule vorgestellt bekommen haben und ich es sehr spannend fand, mich näher mit der Geschichte von Aschaffenburg auseinanderzusetzen.
Künstlerisch tätig sein bedeutet für mich: Meiner Kreativität freien Lauf zu lassen und abzuschalten.
Mein LieblingskünstlerIn/MalerIn ist: Banksy
Dieses Museum/diese Ausstellung möchte ich unbedingt einmal besuchen: Metropoltan Museum of Art in New York City
Bei den Aschaffenburger Kulturtagen werde ich nicht verpassen: Einen Besuch im Schlossmuseum und die Museumsnacht
