Wie beschreibt man einen Chor, der so viel mehr ist als ein Chor? Ein Ort, an dem alle Platz haben. Ein Ort, der nicht nur bunt ist, sondern auch bunt singt – für ein offenes, tolerantes Miteinander – mit besonders viel Liebe. Eben der Aschaffenburger Kneipenchor. Es braucht wohl eine Playlist, um solch eine diverse und charmante Truppe vorzustellen.
All The Small Things“ von Blink-182 war der erste Song, den ich live als Cover des Kneipenchors gehört habe. All die kleinen Dinge waren es auch, die diesen Auftritt bei dem Fest der Demokratie auf dem Schlossplatz im Sommer dieses Jahres derartig echt gemacht haben. Gitarrenbegleitung, Cajon, Kazoos und Menschen, die gemeinsam großen Spaß am Singen haben, mit einer Songauswahl, die zum Schmunzeln und Nachdenken anregt. Einfach sympathisch. Doch wer steckt eigentlich dahinter? Neujahrsvorsätze hat der Großteil von uns, doch nur wenige werden letztendlich wirklich in die Tat umgesetzt. Sabine Haas war da etwas konsequenter, als sie sich an Silvester 2019 die Gründung eines Kneipenchors zum Ziel setzte und dies zusammen mit Ehemann und Gitarrist Christopher, Sänger der Tequila Terminators, im Jahr 2020 realisierte. In einer Kernbesetzung, die noch bis heute aktiv ist, wurde schließlich „Pinball Wizzard“ von The Who eingeübt – einer der ersten Songs des Aschaffenburger Kneipenchors. Im März folgte dann vorerst die Ernüchterung: Die weltweite Pandemie und der damit einhergehende Lockdown machten Indoor-Proben, sowie Auftritte unmöglich, doch auch davon wollte sich niemand aufhalten lassen. Das Schöntal und andere Freiflächen wurden 2021 kurzerhand zu Proberäumen umfunktioniert und der Chor konnte weiter bestehen bleiben. Im Worstcase bestimmt auch „Under The Bridge“ (Red Hot Chili Peppers). Aus dem Chorleitungsduo wurde schließlich mit der Unterstützung von Kollegin und Freundin Sonja Preuß, die bereits vielseitige Vorerfahrung mitbrachte, ein Trio. 2023 war es dann endlich soweit und die ersten Gigs wurden gespielt. Neben Straßenmusik, beispielsweise samstags beim Wochenmarkt am Schloss Johannisburg, oder auf dem Fest Brüderschaft der Völker, eroberte der Kneipenchor auch erste Stages, wie die von FRIZZ präsentierte Schlappeseppel-Bühne am Stadtfest gemeinsam mit den Tequila Terminators. Außerdem konnten endlich regelmäßige Proben montagabends um 19 Uhr im Biersepp stattfinden. Seitdem wächst die Mitgliederzahl stetig um weitere bunte Menschen. All das unter dem Motto „Alles kann, nichts muss“, immer mit dem Fokus auf dem Spaß an der Musik und dem Miteinander. Seit der Darbietung auf dem Fest der Demokratie steigt zudem die Beliebtheit für Musik der Gruppe bei Demoveranstaltungen der Initiative „Aschaffenburg bleibt bunt!“, zu der mittlerweile auch der Aschaffenburger Kneipenchor als Bündnispartner zählt. Dabei wird nötigerweise nicht nur verquerten rechten Bewegungen, sondern immer wieder auch Regen und Wetter mit Songs wie „Schrei nach Liebe“ von Die Ärzte, oder „Basket Case“ von Green Day die Stirn geboten.
© Till Benzin
Aschaffenburger Kneipenchor
MITEINANDER und FÜREINANDER wird bei all dem schon immer großgeschrieben, was seine Wellen bereits über die Grenzen Aschaffenburgs hinausgeschlagen hat. Glücklicherweise hat der Biersepp dann nicht „Aber bring nie wieder deine neuen Freunde in meine Kneipe“ (Von Wegen Lisbeth) gesagt, als der Mädelsabend Bamberg mit rund 40 Gästen zu Besuch war. Beim gemeinsamen Proben und anschließenden Singen vor dem Schloss wurde nochmals deutlich: In dieser Bubble haben wirklich alle Platz. Und was hält die Zukunft für Sabine, Sonja, Christopher und die ganze Truppe bereit? Wenn eine Sache defintiv klar ist, dann – you’re gonna hear them „Roar“ (Katy Perry).
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