Tanja Rhein, Michael und Regina Klein garantieren am Untermain auf innovative Weise eine unkomplizierte, kundenfreundliche Beratung und Bedienung in Sachen Ohrenbedarf. Die große Besonderheit: Sie produzieren kundnenindividuelle Ohrstücke in Eigenregie. Tanja und Michael haben FRIZZ Das Magazin erzählt, was sie als selbständige Hörakustikmeister ausmacht.
FRIZZ Das Magazin: Das Wichtigste zuerst: Wer seid ihr und was macht ihr?
Michael Klein: Ich bin Michael „Tim“ und bin schon seit etlichen Jahren Hörakustikmeister. Wir haben uns in verschiedenen Teilbereichen weiter fortgebildet, haben uns selbstständig gemacht und sind seit ziemlich genau einem Jahr in Elsenfeld, um neue Wege zu gehen.
Tanja Rhein: Ich bin auch Hörakustikmeisterin. Das braucht man auch in dieser Branche, um einen eigenen Betrieb eröffnen zu können. Wir haben schon elf Jahre zusammengearbeite. Dann haben wir gesagt, jetzt wollen wir es besser und eigenständig machen.
Du hast im Kontakt vorab schon zwei interessante Adjektive benutzt. Warum seid ihr denn ungewöhnlich und innovativ für die Branche?
MK: Es gibt einiges was uns auszeichnet. Die ungewöhnlichste Sache ist, dass wir hier selbst drucken. Wir haben eine eigene Werkstatt mit 3D-Drucker. Nahezu alle Hörgeräte müssen aufs Ohr maßgefertigt werden, damit sie sitzen. Andere Akustiker in der Region bestellen im Labor. Wir machen sie selbst. Wir sind dadurch wesentlich schneller, individueller, haben eine eigene Qualitätskontrolle, sind nicht von anderen abhängig und da sind wir, unseres Wissens nach, die einzigen am Untermain. Und wir haben den offiziellen Colos-Saal-Gehörschutz im Sortiment. Außerdem haben wir eine Messtechnik zusammengestellt, die über den Hörtest beim Arzt hinausgeht.
Wie macht sich das beim Kunden bemerkbar?
MK: Wir haben eine höhere Arbeitsqualität und eine höhere Geschwindigkeit. Der Kunde erhält sein Produkt schneller und wir haben alles selbst in der Hand. Wir können besser auf Probleme reagieren und trotz der Optimierung wird es nicht teurer für den Kunden. Wenn wir jetzt einen Abdruck machen würden, könnten wir heute Nachmittag ein fertiges Ohrstück in der Hand halten. Der Druckprozesses dauert ungefähr eineinhalb Stunden. Davor ist natürlich Vorarbeit zu erledigen. Der Abdruck muss gescannt und modelliert werden – plus Nachbearbeitung am PC. Alles zusammen bedeutet drei Stunden Arbeit.
Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Colos-Saal zustandegekommen?
MK: Ich bin sehr musikbegeistert und passionierter Konzertgänger. Ich schreibe für verschiedene Musikmagazine. Mit Metal-Aschaffenburg habe ich ein eigenes regionales Musikmagazin in Aschaffenburg. Dadurch bin ich schon sehr lange Gast im Colos-Saal, da kennt man irgendwann die Leute, die dort arbeiten. Es war naheliegend, dass man das in der Selbständigkeit verbindet, weil wir von dem Gehörschutz auch sehr überzeugt sind.
Arbeitet ihr auch direkt mit Bands zusammen?
Wir haben Musiker, die bei uns Kunde sind. Für Gehörschutz oder auch Monitorings – die Bühnenkopfhörer.
Verändert ein Gehörschutz ein Konzerterlebnis?
MK: Zum eimen bekommt man keinen Hörschaden und jeder Hörschaden bleibt ein Leben lang –man sammelt sie und es wird schlimmer und schlimmer. Wenn es wirklich brachial laute Konzerte sind, ist der Sound mit dem Gehörschutz sogar besser als ohne, weil die Spitzen runtergefahren werden. Man spürt die Lautstärke immer noch, es ist nur ein Stück leiser und gleichmäßig.
In welcher Preisrange bewegt man sich da?
MK: Aktuell 220 Euro das Pärchen –mit allem drum und dran. Also deutlich weniger als zum Beispiel das Wacken-Ticket. Wenn man regelmäßig auf Konzerte geht, dann wird man im Laufe von fünf sechs Jahren – so lange hat man einen Gehörschutz –viel mehr Geld in die Tickets investieren, als in den Klanggenuss.
Bezüglich eures restlichen Angebots: Wie könnt ihr wem helfen?
MK: Bei fast allen Themen, bei denen es ums Ohr geht. Wir können nicht alles machen, aber es reicht von Hörgeräten bei einer klassischen Schwerhörigkeit bis hin zu Unterstützungsmöglichkeiten bei chronischem Tinnitus. Wir können helfen, wenn es um Lärmschutz oder Geräuschschutz geht. Wir bieten Spritzwasserschutz für hauptsächlich Kinder, die am Ohr operiert wurden an. Wir bieten einen Druckausgleichsschutz für diejenigen, die beim Fliegen Probleme haben. Wir beraten zum Thema Implantate, wenn Hörgeräte nicht mehr reichen und der Hörverlust zu groß ist. Und wir sind drauf und dran Kinderanpassungen anzugehen. Im Grunde was rund um das Ohr auftritt und sei es nur ein regelmäßiger Hörtest – außer es geht wirklich um medizinische Dinge – Entzündungen oder Krankheitsbilder.
Was umfasst die Hörtherapie denn genau?
MK: Wenn man über Hörgeräte spricht, dann geht es darum, einen Hörverlust auszugleichen, dass man wieder alles hören kann, was alle anderen auch hören. Das ist das eine. Das andere ist aber, dass ein Hörverlust oft über eine sehr lange Zeit entstanden ist. Bis man das Hörgerät bekommt, ist so viel Zeit vergangen, dass die Hörverarbeitung – also der Hörsinn – sich zurückgebildet hat. Wenn man Zehn Jahre lang ein Geräusch nicht gehört hat, dann ist es so ungewohnt, dass viele sich schwertun, Geräusche wieder einzuordnen. Und das lernt man mit der Zeit durchs Tragen von den Hörgeräten. Es dauert, aber man kann genauso wie eine Reha auch eine Hörtherapie mit Übungen machen, die das beschleunigt.
Das klingt so, als könnte man Hören verlernen.
MK: Tut man tatsächlich. Man kann sich nicht mehr daran erinnern, wie es war. Man ist es nicht mehr gewohnt. Man muss es erst wieder trainieren, zu hören.
Stammt der Name vom Jakobsweg?
TR: Ja, voll gut! Camino ist das spanische Wort für „Weg“. Ich war schon zweimal auf dem Jakobsweg und deswegen hat es super in das Konzept gepasst, weil wir die Kunden auf den Weg zum guten Hören begleiten wollen. Es ist ein Prozess, der über Jahre geht. Genau deswegen „Camino“. Das Logo ist angelehnt an die Jakobsmuschel von den Wegweisern.
MK: Die Reise mit uns bei einer Hörsystemanpassung lässt sich daran schön erklären. Es ist wie der Jakobsweg. Der läuft sich nicht von alleine, ist nicht flach und gerade. Es geht hoch und runter und es ist nicht immer einfach. Es ist ein Prozess.
Vielen Dank für das Gespräch!
