Im vergangenen Jahr schlug die Premiere des Buzz-Festivals auf dem Open-Air-Ground der TH sprichwörtlich ein wie eine Bombe: Sehr viele Hip-Hop-Begeisterte genossen nicht nur die fetten Beats, sondern einen Tag voller Musik, Kreativität und Gemeinschaft und einen authentischen Einblick in die Hip-Hop-Kultur der Region.
Am 22.8. steigt die Neuauflage dieser Festivalperle, und das wiederholt bei freiem Eintritt. Die beiden Masterminds hinter dem Buzz, Lowell Malik Bognear und Marc Keller, haben aber bereits angekündigt, dass ab dem kommenden Jahr ein moderater und bezahlbarer Eintrittspreis für das Festival erhoben werden muss, um die steigenden Kosten zu decken und sich – auch im Bereich des Bookings – noch professioneller aufstellen zu können. Für dieses Jahr können die beiden mit 2LADE, Yako Ok, Zara & Jovan aber wieder vier namhafte Hauptacts und ein fein zusammengestelltes weiteres Line-up präsentieren und freuen sich auf eine neue, unvergessliche Nacht auf dem Campus. Was sich sonst noch ändert, wie das Buzz-Festival überhaupt entstand und welche Momente für sie schon jetzt unvergesslich sind, haben sie im FRIZZ-Gespräch erzählt.
FRIZZ Das Magazin: Wann und von wem startete die Initiative, ein Hip-Hop-Festival in Aschaffenburg auf die Beine zu stellen? Wie lange dauerte es von der ersten Idee bis zum ersten Beat?
Lowell: Ich habe Anfang 2025 auf einer Podiumsdiskussion des Kulturrates zum Thema Jugendkultur gesprochen und an diesem Tag David Seelmann vom Freundeskreis für Kultur e.V. kennengelernt, der ja auch das KOMMZ mitorganisiert. Er hatte ebenfalls großes Interesse daran, eine Veranstaltung für junge Menschen mit dem Schwerpunkt Rap und Hip-Hop ins Leben zu rufen und nach unseren ersten Gesprächen wurde schnell deutlich, dass wir eine sehr ähnliche Vision davon hatten, wie so ein Festival aussehen könnte. Schließlich kamen wir wiederum mit Jörg Fabig vom Kulturamt in Kontakt und konnten gemeinsam die Grundlage für das Buzz-Festival realisieren.
Marc: Das war auch ungefähr die Zeit, in der ich mit ins Boot kam, um bei der Planung und Orga zu unterstützen.
Lowell: Am 17.8. letztes Jahres fand dann die Premiere statt, somit lagen gerade einmal acht Monate zwischen der Idee und der Umsetzung. Das war ein sehr überschaubarer Zeitraum, weswegen das Festival offiziell über den Freundeskreis für Kultur e. V. lief. Inzwischen haben wir einen gemeinnützigen Verein gegründet, das Festival läuft dieses Jahr unter der Flagge unseres Buzz-Festival e.V.
© Thomas Minnich
BUZZ-Festivals
Sind Hip-Hop und Rap in Aschaffenburg nach wie vor unterrepräsentiert?
Marc: Es gibt zahllose Kollektive und Events in Aschaffenburg, welche sich ausschließlich auf elektronische Musik beziehen. Für Hip-Hop gab es dies eine lange Zeit nicht. Unser Ziel war es, das zu ändern.
Lowell: Vor ein paar Jahren hätte ich mit einem ganz klaren Ja geantwortet. Heute aber glaube ich, dass wir mit dem Buzz-Festival einiges bewegt haben. Mittlerweile gibt es in Aschaffenburg deutlich mehr Hip-Hop-Veranstaltungen, zum Beispiel die Jugendbühne (Anm. d. Red.: im Schönborner Hof seit 2025) auf dem Stadtfest, was eine gute Entwicklung ist und mich unglaublich freut. Oder die neuen Events im JUKUZ wie Concrete Hip Hop oder First Blood vom Topshelfsharkz Kollektiv, die Newcomern aus Aschaffenburg eine Bühne bietet. Vielleicht haben wir ja mit unserem Festival den Stein ein Stück weit mit ins Rollen gebracht. Zumindest aber füllen wir mit dem Festival unserer Überzeugung nach eine Lücke, die viel zu lange bestanden hat und sind eine wichtige Ergänzung im Veranstaltungskalender.
Kurzes Resümee zum letzten Jahr: Wart ihr zufrieden mit dem Zuspruch und dem Feedback? Was lief gut, wo sind noch Verbesserungspotenziale?
Lowell: Wir sind mit dem Feedback vom letzten Jahr nicht nur zufrieden, sondern wirklich überwältigt. Wir hätten nie damit gerechnet, so viel positiven Zuspruch aus der Aschaffenburger Stadtgesellschaft zu bekommen. Besonders berührt hat uns das Feedback von Newcomern aus Aschaffenburg, die uns erzählt haben, dass sie wegen des Buzz-Festivals angefangen haben, Musik zu machen oder dass es ihr großer Traum ist, irgendwann selbst einmal auf unserer Bühne zu stehen. Solche Geschichten nach so kurzer Festivalgeschichte zu hören, ist schon etwas ganz Besonderes. Was uns außerdem sehr gefreut hat, war die große Vielfalt unseres Publikums, vom jugendlichen Main-Act-Fan bis zum ehemaligen OB Klaus Herzog.
Marc: Stimmt, wir waren sehr zufrieden mit dem Festival und dem Feedback. Natürlich gab es auch kleine Kritikpunkte, wie zum Beispiel, dass das Festival an einem Sonntag stattfand, dass es keine Afterparty gab und dass es ein wenig an Schattenplätzen gemangelt hat. All das haben wir aber für dieses Jahr beheben können.
2Lade
Wie viele Menschen arbeiten an der Vorbereitung und Umsetzung des diesjährigen Festivals?
Lowell: Tatsächlich übernehmen Marc und ich den Großteil der Festivalplanung und sind für die inhaltliche Konzeption, das Booking, Marketing und Produktionsablauf verantwortlich. Unterstützt werden wir von Miriam Diana Hoffmann vom Jugendhaus, die sich um die Orga und Koordination des Helferteams kümmert. Dazu kommt noch Support im Bereich Material und Logistik vom SJR und JUKUZ.
Was war im letzten Jahr euer ganz persönlicher Highlightmoment, den ihr nie vergessen werdet?
Lowell: Es gab tatsächlich einen ganz besonderen Moment und das war der Besuch von Samy Deluxe, der bei Morten und Marvin Game Backstage zu Gast war. Dazu muss man wissen, dass ich durch eine Samy-Deluxe-Show auf dem AKF überhaupt erst zur Musik und zum Hip-Hop gekommen bin. Das war für mich ein echter Full-Circle-Moment!
Marc: Mein Highlight-Moment war es, mit dem Headliner MP Freshly auf der Bühne zu stehen und in die riesige Crowd zu blicken und zu sehen, wie alle gefeiert haben. So richtig realisiert hat man es jedoch erst in den nächsten Tagen und Wochen, als dann das Feedback aus der Stadt und von den Besuchern kam.
Auch für die 26er-Auflage habt ihr ein sehr schönes Programm gebucht. Wie läuft bei euch die Künstlerauswahl ab, worauf kommt es euch beim Booking besonders an?
Lowell: Da die Nachwuchsförderung ein zentraler Bestandteil unseres Festivalkonzepts ist, gehört der Nachmittag den Newcomeracts. Uns liegt es sehr am Herzen, diesen Künstlerinnen und Künstlern eine Bühne und die Möglichkeit zu geben, sich einem größeren Publikum zu präsentieren. Beim Abendprogramm spielen natürlich auch Faktoren wie Reichweite und Fanbase eine Rolle, im zentralen Mittelpunkt steht aber stets die Qualität der Liveshows. Das Buzz-Festival richtet sich an eine sehr vielfältige Zielgruppe, deshalb möchten wir allen Besucherinnen und Besuchern zeigen, wie mitreißend und hochwertig Hip-Hop live sein kann.
© Arno Steinfort
Yako Ok
Stellt euch vor, ihr hättet für das Buzz-Festival einen Wunsch frei, welcher wär’s?
Marc: Mein Wunsch wäre, dass das Festival jährlich fortgesetzt wird!
Lowell: Eigentlich bin ich wunschlos glücklich, besonders die Zusammenarbeit mit Jörg Fabig schätzen wir sehr und freuen uns, dass wir die Möglichkeit bekommen, das Festival im Rahmen der Sommerbühne umzusetzen. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann dass sich das Buzz-Festival als fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders etabliert und Jahr für Jahr weiter wachsen kann.
