Der TV-Journalist, Poetry-Slammer und Aschaffenburger Aborigine Claus Höfling hat mit dem Literatur Snack ein Buch voller amüsanter Texthappen wie Kurzgeschichten, Gedichte, Kalauer oder Songtexte geschrieben. Ganz klar Zeit für ein FRIZZ-Gespräch.
Von der Schülerzeitung über Stand-up-Engagements im legendären Club Punta Arabi hauptberuflich ins TV-Business – der gebürtige Aschaffenburger Claus Höfling (ja, der von TV Touring und Sat.1) kennt nicht nur die Medien- und insbesondere die TV-Branche aus wirklich allen Perspektiven, sondern fühlt sich auch auf der Bühne wohl. Erst recht, nachdem der talentierte Humorliterat und notorische Textvergesser den Poetry-Slam für sich entdeckt hat. Da trifft es sich natürlich prima, dass er dort zukünftig aus seinem brandneuen Buch vorlesen kann, um die Pokale mit nach Hause zu nehmen. Doch bevor er die humorige Literaturherrschaft vollends an sich reißt, ist er kurz bei uns rumgekommen.
FRIZZ Das Magazin: Wusstest du, dass dein Buch in den Amazon-Charts im Bereich Anthologien Stand heute auf Platz 954 steht?
Nein, wusste ich nicht. Aber wir sind uns einig, dass es nach Erscheinen dieses Artikels in den Top Ten landen wird. Das ist das Ziel, darum sitzen wir ja hier.
Keine Frage, das wird so passieren. Und jetzt schätz mal, auf welchem Platz dein Buch im Bereich Humor rangiert.
Puh, keine Ahnung. Wahrscheinlich irgendwo um Platz 7.500 herum.
Nein, viel besser, Platz 1.562 – und es ist ja erst am 2.1. dieses Jahres erschienen!
Wow, das ist wirklich gut! Wenn man bedenkt, wie viel dort gehandelt wird.
Was muss ein potenzieller Leser wissen, bevor er dein Buch aufschlägt?
Man muss schon selbst Humor haben wollen, wenn man sich den „Literatur Snack“ zur Brust nimmt. Deshalb auch der Warnhinweis, dass das Lesen zur Begegnung mit Wortspielen und Kalauern, aber auch ernsthaften Gedanken führen kann.
Ist das Snack-Format für dein Buch entstanden, weil sich viele kurze Texte über die Jahre angesammelt haben, oder hast du deine Werke dahingehend bearbeitet und „in Form“ gebracht, weil die Aufmerksamkeitsspanne bei den Leuten durch Social-Media-Content inzwischen auf Snacklänge angekommen ist?
Der Grund war Ersteres. Aber das Zweite hast du so gut formuliert, dass ich es beim nächsten Interview verwenden werde (grinst). Tatsächlich standen der Titel und die Idee zum Cover bereits seit zehn Jahren fest und ich habe konkret für dieses Format Texte von mir gesammelt. So richtig Fahrt aufgenommen hat das Buch aber final durch einen befreundeten Nachbarn, der auf dieselbe Art und Weise vor Kurzem einen Finanzratgeber veröffentlicht hat. In dessen Wissensfahrwasser habe ich mitbekommen, was ich für die Realisation wirklich brauche und gemerkt, dass ich eigentlich schon alles zusammen habe. Und dann ging es ganz schnell, so ist aus 15 Jahren Stoff innerhalb von zwei Monaten mein Buch entstanden.
Was war damals die ausschlaggebende Idee für ein Buch? Die Anzahl der vorhandenen Texte oder der Wunsch, das Wort Schriftsteller der umfangreichen Vita noch hinzuzufügen?
Es ging mir weniger um den Begriff Schriftsteller im Lebenslauf. Es war mein Ziel, ein eigenes Buch physisch in der Hand zu halten. Und dann ganz klar die Menge an Texten, die sich da über die Zeit angehäuft hat. Quasi meine herzblutgetränkten Gedanken aus den letzten fast 30 Jahren. Die Schüler- und die Abi-Zeitung des Dessauer-Gymnasiums bilden da den Startpunkt, im Buch sind sogar zwei Texte aus dem Jahr 1988 vorhanden. Die neuesten Beiträge sind Baujahr 25 und speisen sich unter anderem auch daraus, dass ich vor zwei Jahren angefangen habe, an Poetry-Slams teilzunehmen.
Wobei die Bühne dir prinzipiell nicht fremd ist.
Ja, das stimmt, ich habe früher auch jahrelang Leute auf Ibiza mit Stand-up-Sequenzen unterhalten und Events moderiert. Mein großes Problem ist aber, dass ich mir keine Texte merken kann. Das hat den Schritt zum Comedian oder Schauspieler verhindert, obwohl ich beides gerne geworden wäre. Und dann habe ich vor ein paar Jahren durch Künstler, die mit einem Blatt in der Hand im Fernsehen aufgetreten sind, die Poetry-Slams entdeckt. Ich dachte „Geil! Ich kann mich auf eine Bühne stellen und muss nichts auswendig lernen. Ich kann einfach ablesen!“ Das mache ich nun regelmäßig. Und ab nächster Woche muss ich keine Blätter mehr ausdrucken, weil ich aus meinem eigenen Buch vorlesen kann!
Musstest du deine älteren Texte für das Buch noch mal bearbeiten oder hast du sie absichtlich unbearbeitet drin gelassen, um deine persönliche Entwicklung als Texter lesbar zu machen?
Beides stimmt. Einen Teil der älteren Texte habe ich entsprechend gekennzeichnet und bewusst so gelassen, auch wenn sie nicht sonderlich elegant geschrieben sind. So wie beispielsweise das Stück über Heinz Erhard, das bereits so in meiner Schülerzeitung stand. Oder einige Liebesgedichte, die ich heute als viel zu schnulzig empfinde. So kann ich den Claus von damals auch im Buch abbilden. An einigen anderen Texten, wie zum Beispiel meiner Hommage an Aschaffenburg, habe ich noch herumgedoktert und mir vorab auch mal Feedback von befreundeten Künstlern geholt.
Wie entdeckst du Themen? Fällt dir zu einer bestimmten Begebenheit direkt eine Punchline ein und du weißt, da kann ich was draus machen oder nimmst du dir bewusst Zeit, um irgendwelche Themen literarisch aufzuarbeiten?
Gute Frage, denn es ist auch hier eine Mischung aus beidem. Ich habe immer eine Kladde bei mir, in die ich spontane Ideen, Wortspiele oder so notiere und dann weiter ausarbeite. Ich schreibe aber manchmal auch nach dem Prinzip des weißen Blatts, wenn ich merke, dass ich gerade Lust habe, etwas zu kreieren. So entstehen dann beispielsweise Texte für die Slams.
Ist es schon immer deins gewesen, Dinge prägnant und in aller Kürze auf den Punkt zu bringen?
Oh, ich würde gerne noch viel kürzer sein!
Also können wir einen Roman aus deiner Feder ausschließen?
Das ist definitiv ausgeschlossen (lacht). Schon allein, weil ich selbst keine Romane lese. Was ich auf jeden Fall möchte, ist, dass mein nächstes Buch keine inhaltlich völlig zusammenhanglose Sache ist, wie das jetzt beim „Literatur Snack“ der Fall ist …
… womit meine Frage nach einem zweiten Buch auch schon beantwortet wäre.
Na ja, ich bin aktuell schon euphorisiert, erhalte viel positives Feedback und das macht mir viel Bock darauf, ein zweites Buch zu schreiben. Was ich schon weiß, dass dieses ein konkretes Thema bekommt, das dann in kurzen Episoden behandelt wird. Thematisch vielleicht aus der Fernsehwelt, weil ich mich da eben seit vielen Jahren beruflich bewege und über einen großen Erfahrungsschatz verfüge.
Wenn wir uns in sechs Monaten noch mal treffen würden, um über dein Buch zu sprechen – was müsste passiert sein, damit mir ein glücklicher Claus gegenübersitzt?
Der aktuell zufriedene Claus ist erleichtert, dass er es endlich veröffentlicht und seinen Eltern gewidmet hat und dass das erste Feedback positiv ist. Ich hatte bis heute nullkommanull Verkaufszahlen im Kopf. Du hast mir aber mit diesen Charts den Floh ins Ohr gesetzt, dass ich glücklich wäre, wenn ich im Bereich Humor noch mal klettern könnte.
